Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

100 Tage psyhelp

Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) präsentierte eine erste Bilanz der neuen Serviceplattform für psychische Gesundheit.

Seit Jänner 2026 stehen in Österreich erstmals kostenfreie Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlungen zur Verfügung. Die Vermittlung dieser Plätze erfolgt über die BÖP‑Serviceplattform psyhelp. Nach den ersten 100 Tagen zeigt sich bereits deutlich, wie groß der Bedarf an psychosozialer Versorgung ist und wie stark das neue Angebot genutzt wird.

Gesundheitsministerin Korinna Schumann betont: "Wenn wir über Gesundheit sprechen, dann müssen wir immer auch über psychische Gesundheit sprechen. Sie betrifft Menschen in allen Altersgruppen, in allen Lebensrealitäten und in allen Regionen unseres Landes. Viele Menschen erleben Belastungen – durch Unsicherheit, Überforderung, Einsamkeit, familiäre Krisen, Erkrankungen oder schwierige Lebenssituationen. Und viele Menschen brauchen in diesen Situationen professionelle Unterstützung. Deshalb ist es so wichtig, dass wir psychische Versorgung Schritt für Schritt weiter ausbauen und den Zugang erleichtern."

ÖGK-Arbeitnehmer:innen-Obmann Andreas Huss, MBA erklärt: "Insgesamt stärkt der Vertrag die flächendeckende, leistbare und qualitätsgesicherte psychische Gesundheitsversorgung. Er erleichtert den ersten Schritt in die Behandlung, verkürzt Wege und Wartezeiten und schafft klare Strukturen für Betroffene, Angehörige und Leistungserbringer."

Die bisherigen Nutzungszahlen unterstreichen den hohen Bedarf: 

  • rund 6.500 Menschen haben sich angemeldet.
  • 13.000 Dokumente und Befunde wurden geprüft und klassifiziert.
  • 2.000 Behandlungsplätze konnten allein in den letzten drei Wochen vermittelt werden.
  • Hunderte Ersttermine haben bereits stattgefunden.
  • mehr als 65 % der Anmeldungen stammen von Frauen.
  • 10 % erfordern eine Fremdsprache.

Die meisten Anmeldungen stammen aus Wien, gefolgt von der Steiermark und Kärnten, während Vorarlberg bislang deutlich unterdurchschnittlich vertreten ist. Hinsichtlich der Altersverteilung entfallen 4 % der Klient:innen auf die Gruppe der Drei- bis 20‑Jährigen. Den größten Anteil stellen mit 46 % die 20- bis 40‑Jährigen dar, gefolgt von 33 % im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. 7 % der Patient:innen sind älter als 60 Jahre.

Zu den häufigsten Diagnosen zählen depressive Episoden, gefolgt von Angststörungen sowie phobischen Störungen. Rund 10 % der Patient:innen werden nach einem stationären Aufenthalt weiterführend betreut, was die Bedeutung der klinisch-psychologischen Versorgung im Übergang von stationärer zu ambulanter Behandlung unterstreicht.

Für die Teilnahme am Programm hatten sich mehr als 800 klinische Psycholog:innen gemeldet, knapp 700 wurden schließlich aufgenommen. Der Großteil ist bereits in laufende Behandlungen eingebunden. Bis 2029 stehen jährlich jeweils 120.700 kostenfreie klinisch-psychologische Behandlungseinheiten zur Verfügung.