Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Wie umgehen mit dem Relativen Energiedefizit-Syndrom im Sport?

Ein blauer Wecker , vor den ein gelber Pfeil ist
Patient:innen-Fragen kompetent beantworten.
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Eine 32-jährige – normalerweise ambitionierte, motivierte und lebensfrohe – Hobbysportlerin wird in Ihrer Praxis vorstellig. Ihre Leidenschaft ist der Bergsport, aber auch das Krafttraining. Sie berichtet von Leistungseinbußen, die seit mehreren Wochen bestehen. Die ersten gesundheitlichen Probleme zeigten sich, als die Regeneration nicht mehr wie gewohnt eintrat: Nach den Krafteinheiten wollte der Muskelkater nicht mehr verschwinden, eine Steigerung von Wiederholungszahl oder Gewicht war nicht mehr möglich, vielmehr musste beides reduziert werden. Auch die Bergtouren wurden mental immer anstrengender. Das frühe Aufstehen fällt der Patientin schwer, und eine Vorfreude auf das Erlebnis ist nicht mehr vorhanden. Es überwiegt das Gefühl, das Tagesprogramm einfach "abspulen" zu müssen. Was am Ende des Tages übrig bleibt, ist eine bis dato unbekannte Leere und Abgeschlagenheit. Dazu kommt, dass ihr Schlaf weniger erholsam geworden ist und die Menstruation unregelmäßiger. Trotz hoher körperlicher Belastung hat sich ihr Appetit deutlich verringert. Sie hat vom RED-S-Syndrom gelesen und will wissen, ob sie betroffen sein könnte.
Inhaltsverzeichnis
Medizinische Expertise
Silvia Mutz

Silvia Mutz, MSc. (Personal Fitness Trainer, Ernährungscoach, "Dipl. Strength Coach" in Steyregg)

MUTZ: Die Leidenschaft wird hier zur Obsession: Einerseits ist die Patientin auf der Suche nach immer neuen Bergerlebnissen, andererseits will sie den eigenen Muskelaufbau forcieren. Der Freundeskreis spielt dabei oftmals eine nicht unerhebliche Rolle. Je "glänzender und glorreicher" er sich darstellt, umso größer wird das Verlangen, vergleichbare – mitunter zweifelhafte – Ziele zu erreichen. Im Rahmen meiner Tätigkeit sehe ich RED-S in den letzten Jahren immer häufiger. Dabei fällt auf, dass Betroffene einerseits schockiert sind, wenn man sie mit den Tatsachen konfrontiert, andererseits ihre Gewohnheiten nicht aufgeben wollen und rasch in ihre ursprünglichen Muster zurückfallen.