Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Vorsorgeuntersuchung im Fokus: Stärken, Lücken, Perspektiven

männliche und weibliche bunte Papierfiguren unter einem Schirm
Gesundheitscheck neu denken.
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Österreich ist im Bereich der Gesundheitsaufwendungen eines der ausgabenstärksten Länder der EU. Trotz dieses großen finanziellen Einsatzes zeigen sich gesundheitliche Defizite. Angesichts dieser Entwicklungen im Bereich der Prävention soll hier die Vorsorgelandschaft in Österreich näher betrachtet werden. Die Hausärzt:in hat Expert:innen aus dem Gesundheitswesen eingeladen, die aktuellen Vorsorgeuntersuchungen zu analysieren.
Medizinische Expertise
Artur Wechselberger

Dr. Artur Wechselberger (Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin und Leiter des Referats für Sozial- und Vorsorge- medizin der Österreichischen Ärztekammer)

Romana Ruda

Mag.a Romana Ruda (Managing Director des Future Health Lab)

Andreas Krauter

Dr. Andreas Krauter, MBA (Leitender Arzt und Fachbereichsleiter des Medizinischen Dienstes der Österreichischen Gesundheitskasse)

Österreich hat ein leistungsfähiges und zugleich kostenintensives Gesundheitssystem. Laut Statistik Austria betrugen die laufenden Gesundheitsausgaben im Jahr 2024 insgesamt 57.837 Millionen Euro, was 11,7 % des Bruttoinlandsprodukts entspricht.1 Damit ist Österreich im Bereich der Gesundheitsaufwendungen – gemessen am prozentualen Anteil des BIPs – seit 2021 eines der drei ausgabenstärksten Länder der EU.2 Trotz dieses großen finanziellen Einsatzes zeigen sich gesundheitliche Defizite. Eurostat-Daten aus dem Jahr 2023 belegen, dass Österreicher:innen nur rund 60 Jahre bei guter Gesundheit verbringen, während der EU-Durchschnitt insgesamt 63 Jahre beträgt. Interessanterweise unterscheiden sich Frauen und Männer in Österreich hinsichtlich der gesunden Lebensjahre kaum, obwohl Frauen insgesamt eine höhere Lebenserwartung aufweisen.3

Zurückgeführt werden jene Ergebnisse unter anderem auf den großen Anteil der Bevölkerung mit chronischen, nicht übertragbaren Erkrankungen, darunter Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf- oder psychische Erkrankungen. Die österreichische Vorsorgeuntersuchung soll dazu beitragen, Risikofaktoren und Krankheiten früh- bzw. rechtzeitig zu identifizieren. Im Jahr 2024 ließen 1.409.861 Menschen einen Gesundheitscheck durchführen. Das entspricht einem Anstieg von 6,9 %, verglichen mit 2023. Dennoch nehmen insgesamt nur rund 15 % der Bevölkerung jenen in Anspruch. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede sind erkennbar: 2024 nutzten lediglich 649.722 Männer das Angebot, während sich 760.139 weibliche Personen einem Basisvorsorgecheck unterzogen.4

Zusätzlich zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung gibt es Programme für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sowie Brustkrebs ab dem 40. Lebensjahr, Darmkrebs ab dem 45. Lebensjahr und Prostatakrebs ab dem 50. Lebensjahr. Eine neue Umfrage des Spectra-Instituts zum Thema "Vorsorge, Prävention, Krebsscreening" ergab, dass Vorsorgemaßnahmen wie die Selbstabtastung von Brust bzw. Hoden oder der PAP-Abstrich von Österreicher:innen am häufigsten genutzt werden – rund 70 % der Befragten wählten solch eine Maßnahme in den letzten 24 Monaten. Deutlich ernüchternder ist jedoch das Bild bei Vorsorgeuntersuchungen durch die Hausärzt:in bei Blut- oder Stuhltests sowie der Mammographie, weil weniger als 55 % der Befragten diese Angebote innerhalb der letzten zwei Jahre nutzten. Daraus lässt sich schließen, dass insbesondere die häufigsten Krebserkrankungen – Prostata- und Brustkrebs – im medizinischen Vorsorgesetting nicht mit ausreichender Regelmäßigkeit abgeklärt werden. Hier gilt es, mehr Awareness zu schaffen. Als besonders motivierende Faktoren für die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen werden persönliche Empfehlungen durch Hausärzt:innen sowie Einladungen per Post oder E-Mail mit direkter Terminbuchungsmöglichkeit genannt.5

Angesichts dieser Entwicklungen im Bereich der Prävention soll hier die Vorsorgelandschaft in Österreich näher betrachtet werden. Die Hausärzt:in hat deshalb Expert:innen und Verantwortliche aus dem Gesundheitswesen eingeladen, die aktuellen Vorsorgeuntersuchungen zu resümieren, allfällige Lücken in der Versorgung aufzuzeigen und die zukünftige Gestaltung der Gesundheitschecks zu skizzieren.