Hausärzt:in 06/2024

Schmerzmittel: Expert:innen warnen vor Engpässen

Verschiedene farbige Tabletten vor blauem Hintergrund
Ein plötzlicher Analgetikamangel könnte den Leidensdruck für Betroffene erhöhen.
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Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld zum 30. Kongress der Österreichischen Schmerzgesellschaft wurde die aktuelle Situation in Bezug auf Schmerzmittel in Österreich beleuchtet, die laut den anwesenden Expert:innen alarmierend sei, etwa infolge einer Unterversorgung mit Analgetika.

Aus diesem Grund fordern die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) sowie die Österreichische Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR), dass Schmerzmittel kontinuierlich und regelmäßig verfügbar sein müssen.

Thematisiert wurde auch das Medikament Pregabalin, das unlängst in den Medien in Verruf geraten sei und als "gefährlich" sowie vermeintlich "tödlich" bezeichnet wurde. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, Leiter der Sektion Schmerz der ÖGARI, stellte diesbezüglich klar: "Pregabalin gehört zu den Antikonvulsiva und wird oft zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, Fibromyalgiesyndromen und anderen chronischen Schmerzzuständen eingesetzt", erklärte der Experte. "Aktuelle Medienberichte sind zu hinterfragen, da in den vorliegenden Berichten weder demographische Daten noch Begleiterkrankungen erhoben wurden." Laut Prof. Likar wäre ein Verzicht auf Pregabalin "fatal", da es eine wichtige Rolle im Schmerzmanagement einnehme: "Neben der schmerzhemmenden Wirkung ist es auch angstlösend und verbessert die Schlafqualität. Zwei wichtige Eigenschaften, um die Lebensqualität chronischer Schmerzpatient:innen zu verbessern."

Auch OÄ Dr.in Waltraud Stromer, Past-Präsidentin der ÖSG, sprach über die Herausforderungen in der Versorgung mit Analgetika, ohne die keine leitlinienkonforme Schmerztherapie möglich wäre. "Dieser Mangel führt dazu, dass wir uns immer öfter von den leitlinienkonformen Standardtherapien entfernen müssen", beklagte die Expertin. "Es geht hier nicht nur um die Linderung von Schmerzen, sondern um die Wahrung der menschlichen Würde und das Recht auf eine qualitativ hochwertige Versorgung."