Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Infektionsrisiko?

mehrere Menschen die laufen, darüber ein großes Virus
Geflüchtete Menschen sind keine Gefahr, sondern selbst gefährdet.
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Infektionskrankheiten und Rassismus – sie gehen seit jeher Hand in Hand. Immer wieder machen Gerüchte die Runde, Migrant:innen, insbesondere Geflüchtete, würden gefährliche Krankheiten nach Europa einschleppen. Zutreffend ist das nicht.
Autor:in
Florian Thalhammer

Univ.-Prof. Dr. Florian Thalhammer (Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin)

Ein viel bedeutenderes Risiko, Tropenkrankheiten zu verbreiten, haben Urlauber:innen und Geschäftsreisende. Denn sie können auch Krankheiten mit sehr kurzer Inkubationszeit aus Endemiegebieten mitbringen. 

Die Inzidenzen der einzelnen Infektions- und Tropenmedizinkrankheiten in migrantischen Bevölkerungsgruppen sind jenen der allgemeinen Bevölkerung sehr ähnlich. Je nach Herkunftsland und Migrationsroute haben Geflüchtete zwar ein erhöhtes Risiko hinsichtlich bestimmter Krankheiten. Relevant sind hierbei etwa Tuberkulose, Hepatitis und – für Personen aus Endemiegebieten – Malaria. Auch der in Österreich zeitweise ausgerotteten Diphtherie gegenüber sind Menschen auf der Flucht vulnerabel, wie in den letzten Jahren deutlich wurde: 2022 kam es zum größten Diphtherie-Ausbruch in Westeuropa seit 70 Jahren, Österreich war ebenfalls betroffen. Die Infektionen beschränkten sich aber fast ausschließlich auf Geflüchtete. Generell gilt bei all diesen Krankheiten, dass das Infektionsrisiko für die allgemeine Bevölkerung sehr gering ist.

In hohem Maß gefährdet sind hingegen die Migrant:innen selbst: Gerade Asylsuchende sind auf der Flucht und auch noch im Zielland sehr schlechten Wohn- und Hygienebedingungen ausgesetzt. Überfüllte Flüchtlingsunterkünfte dienen als Brutstätte für Erreger von respiratorischen Infektionskrankheiten wie Influenza und COVID-19, schlechte Hygienebedingungen fördern zudem Parasitenbefall und viele weitere infektiöse Erkrankungen.

Um diese Personengruppe besser zu schützen, ist ein niederschwelliger Zugang zum Gesundheitssystem notwendig: Gleich nach der Ankunft von Geflüchteten wird ein Gesundheits-Screening durchgeführt. Dabei ist auch an Krankheiten zu denken, die in Österreich selten sind, welche Migrant:innen aber eventuell im Herkunftsland oder auf der Flucht bekommen haben. Das Infektionsspektrum unterscheidet sich dabei je nach Region und hängt auch vom Gesundheitssystem im Heimatland ab. Viele der genannten Krankheiten äußern sich durch eher unspezifische Symptome und können daher leicht verkannt werden. Eine gründliche Anamnese ist also unerlässlich. Die Erstuntersuchung ist freilich nur eine Momentaufnahme – für einen verlässlichen Schutz muss eine kontinuierliche Gesundheitsversorgung gewährleistet sein. Bessere Bedingungen bei der Unterbringung wären ebenfalls eine effektive Präventionsmaßnahme.