Hausärzt:in 02/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Weltglaukomtag 2026

Die Expert:innen OÄ Dr Cornelia Hirn und Dr. Anton Hommer.
© Anna Rauchenberger / fotodienst
Die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ÖOG) machte am 10.03.2026 anlässlich des Weltglaukomtags am 12. März auf die Augenerkrankung aufmerksam. Da die Erkrankung häufig lange unbemerkt bleibt und zunächst kaum Symptome verursacht, betont die Fachgesellschaft insbesondere die zentrale Bedeutung der Früherkennung, um eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen und irreversible Sehschäden zu verhindern.

Das Glaukom ("Grüner Star") ist eine chronische, progrediente Erkrankung, bei der es zu einer Zerstörung des Sehnervs kommt. Es zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für irreversible Erblindung und ist auch in Österreich nach der Katarakt eine der wichtigsten Ursachen für Blindheit. Schätzungen zufolge sind hierzulande etwa 80.000 bis 100.000 Menschen betroffen, wobei rund die Hälfte der Erkrankten nichts von ihrer Erkrankung weiß.

Pathophysiologisch kommt es beim Glaukom zu einer fortschreitenden Schädigung der Nervenfasern des Sehnervs, häufig im Zusammenhang mit einem erhöhten Augeninnendruck, wobei auch vaskuläre Faktoren eine Rolle spielen können. Die Erkrankung verläuft meist asymptomatisch und schmerzlos, wodurch sie lange unentdeckt bleibt. Funktionelle Einschränkungen wie Gesichtsfeldausfälle treten häufig erst in fortgeschrittenen Stadien auf, wenn bereits ein erheblicher Anteil der Nervenfasern irreversibel geschädigt ist. Prim. Univ.-Prof. Dr.med.univ. Herbert Reitsamer, Leiter der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie am LKH Salzburg erklärt: "Das Gemeine am Glaukom ist, dass es für Betroffene lange unbemerkt bleibt. Es verursacht keine Schmerzen und Ausfälle an einem Auge können oft vom anderen Auge ausgeglichen werden".

Da bereits verlorenes Sehvermögen nicht wiederhergestellt werden kann, ist die frühzeitige Diagnose entscheidend. Regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen werden insbesondere ab dem 40. Lebensjahr empfohlen, bei familiärer Belastung oder weiteren Risikofaktoren auch früher. "Nur durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können wir ein Glaukom früh entdecken und mit einer Behandlung beginnen, die den Krankheitsverlauf verzögern und im günstigsten Fall aufhalten kann", betont MRin Dr.in Gabriela Seher, Präsidentin der ÖOG. Personen mit Risikofaktoren wird eine jährliche Untersuchung empfohlen; bei bereits diagnostiziertem Glaukom sind in der Regel drei bis vier Kontrollen pro Jahr notwendig.

Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen zählen die Messung des Augeninnendrucks, Gesichtsfelduntersuchungen sowie die strukturelle Beurteilung des Sehnervenkopfes und der retinalen Nervenfaserschicht, beispielsweise mittels optischer Kohärenztomografie (OCT). Da funktionelle Ausfälle häufig zunächst nur einseitig auftreten und vom anderen Auge kompensiert werden können, bleibt die Erkrankung oft lange unentdeckt. 

Therapeutisch zielt die Behandlung primär auf die Senkung des Augeninnendrucks ab, da dieser der wichtigste modifizierbare Risikofaktor für das Fortschreiten der Erkrankung ist. "Die Senkung des Augeninnendrucks ist derzeit der einzige wissenschaftlich nachgewiesen wirksame Therapieansatz in der Glaukom-Behandlung", erläutert OÄ Dr.in Cornelia Hirn, FEBO, Abteilung für Augenkrankheiten mit Augen-Tagesklinik am Hanusch-Krankenhaus. Zur Verfügung stehen medikamentöse Therapien, meist in Form drucksenkender Augentropfen, wobei unterschiedliche Wirkstoffe nach Bedarf kombiniert werden können. Entscheidend für den Therapieerfolg ist die konsequente und regelmäßige tägliche Anwendung der Tropfen. Weitere Behandlungsoptionen stellen die Laserbehandlungen wie die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) sowie operative Verfahren, einschließlich minimalinvasiver Glaukomchirurgie (MIGS) dar. Die Behandlung muss individuell an die Patient:innen angepasst und im Verlauf der Erkrankung angepasst werden.

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist in den kommenden Jahren mit einer weiteren Zunahme der Erkrankungszahlen zu rechnen. Daher kommt der Sensibilisierung für Risikofaktoren, der frühzeitigen Diagnostik sowie einer konsequenten und individuell angepassten Therapie eine zentrale Rolle zu, um glaukombedingte Sehbehinderung und Erblindung möglichst zu verhindern. Daher hat die ÖOG ein Weissbuch Augenheilkunde erstellt, das Sie hier finden können