Der untere Harntrakt besteht funktionell aus zwei zentralen Einheiten: der Harnblase als Reservoir für Urin sowie dem Harnröhrenverschlussapparat mit Blasenhals und äußerem Sphinkter zur Sicherung der Kontinenz. Die Funktion dieser Strukturen wird durch ein komplexes neuronales Netzwerk reguliert. Auf spinaler Ebene (Segmente S2–S4) werden parasympathische und somatische Reflexe vermittelt. Die zentrale Koordination erfolgt im pontinen Miktionszentrum, das die Entleerung der Blase steuert. Darüber hinaus spielen das periaquäduktale Grau als Integrationszentrum für sensorische Informationen aus der Blase sowie der präfrontale Kortex eine entscheidende Rolle bei der bewussten Wahrnehmung der Blasenfüllung und der willentlichen Kontrolle der Miktion.
In der Blasenfüllungsphase wird die Speicherung des Urins durch Relaxation des Detrusors und Kontraktion des Sphinkters gewährleistet, während bei der Miktion eine koordinierte Detrusorkontraktion bei gleichzeitiger Sphinkterrelaxation erfolgt. Diese Koordination entwickelt sich jedoch erst im Laufe der frühen Kindheit.