Das humane Papillomavirus (HPV) ist die häufigste sexuell übertragbare Infektion weltweit und kann verschiedene Krebserkrankungen verursachen. Die prophylaktische HPV-Impfung ist hochwirksam und wird in Österreich im Rahmen des nationalen Impfprogramms empfohlen – primär für Kinder und Jugendliche, inzwischen auch für junge Erwachsene. Aktuelle nationale Daten zeigen bei Jugendlichen Impfquoten von rund 54 % bei Mädchen und etwa 42 % bei Buben. Für Erwachsene liegen nur begrenzte Daten vor.
Die Ergebnisse der Schweizer Studie zeigen, dass von den rund 3.850 befragten Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren insgesamt etwa 27 % mindestens eine Impfdosis erhalten hatten. Bei den 18- bis 26-Jährigen lag die Quote bei knapp 59 %, bei den 27- bis 45-Jährigen nur bei rund 16 %. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede waren deutlich: Rund 43 % der Frauen waren geimpft, jedoch nur etwa 12 % der Männer. Diese Differenzen lassen sich unter anderem durch die spätere Einführung der Impfung sowie die anfängliche Fokussierung auf Mädchen erklären und zeigen bestehende Versorgungslücken auf.
Die Befragten lassen sich in drei Gruppen einteilen: gut informiert, skeptisch und wenig informiert. In der gut informierten Gruppe lag die Impfquote bei etwa 41 %, in der skeptischen bei knapp 14 % und in der Gruppe mit geringem Wissen bei lediglich 8 %.
Eine zentrale Rolle spielt die ärztliche Empfehlung: Ein Großteil der Geimpften nennt das ärztliche Gespräch als entscheidenden Faktor für die Impfentscheidung. Gleichzeitig gibt mehr als die Hälfte der ungeimpften Personen an, keine entsprechende Empfehlung erhalten zu haben.
Die Gründe für eine fehlende Impfung variieren: Personen mit geringem Wissen zeigen häufig Unsicherheit bezüglich Relevanz und Nutzen der Impfung. Gut informierte Personen verzichten hingegen oft aufgrund der Annahme, nicht mehr zur Zielgruppe zu gehören, oder wegen fehlender ärztlicher Empfehlung.
Gleichzeitig zeigt sich erhebliches Potenzial: In der gut informierten Gruppe würden rund 60 % der ungeimpften Personen eine Impfung in Erwägung ziehen, in der Gruppe mit geringem Wissen etwa jede zweite Person. Die Daten unterstreichen die Bedeutung gezielter Aufklärung und der aktiven ärztlichen Ansprache. Besonders im Praxisalltag bieten sich wichtige Gelegenheiten, Informationsdefizite zu adressieren, Fragen zu klären und Vertrauen in die HPV-Impfung zu stärken.