Depressive Störungen zählen weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und treten bereits im frühen Kindesalter auf. Im Jugendalter steigt die Prävalenz auf etwa 8 %. Sie verursachen eine erhebliche Krankheitslast, beeinträchtigen die psychosoziale Entwicklung und belasten sowohl Betroffene als auch ihre Familien. Die COVID-19-Pandemie hat diese Entwicklung durch soziale Isolation und Zukunftsängste zusätzlich verstärkt.
Depressive Episoden verlaufen häufig phasenhaft über Wochen bis Monate und gehen mit funktionellen Einschränkungen, insbesondere im schulischen und später beruflichen Bereich, einher. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für komorbide psychische und somatische Erkrankungen. Aufgrund altersabhängiger Unterschiede in Symptomatik, Therapiebedarf und Wirksamkeit sind Erkenntnisse aus dem Erwachsenenbereich nicht direkt übertragbar.
Wichtige Änderungen und Ergänzungen der Leitlinie sind:
- Altersdifferenzierte Empfehlungen: Erstmals differenzierte Empfehlungen für drei Gruppen (3–6, 7–12, 13–18 Jahre). Dies ermöglicht entwicklungsadäquate Therapieansätze. Bei jüngeren Kindern gewinnen familienbasierte Verfahren an Bedeutung, z. B. PCIT-ED (3–6 Jahre) und familienbasierte interpersonelle Therapie (7–12 Jahre).
- Therapieindikation: Nach fachärztlicher Diagnosestellung soll unabhängig vom Schweregrad eine Behandlung eingeleitet werden.
- Partizipative Entscheidungsfindung: Kinder, Jugendliche und Eltern sollen frühzeitig und altersgerecht in Therapieentscheidungen eingebunden werden (Shared Decision Making).
- Psychotherapie als First-line: Weiterhin Vorrang der Psychotherapie vor medikamentöser Therapie über alle Altersgruppen und Schweregrade hinweg. Methode der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie.
- Erweiterte Pharmakotherapie: Bei mittelgradigen bis schweren Verläufen stehen neben Fluoxetin nun auch Sertralin und Escitalopram als First-line-Optionen zur Verfügung.
- Ergänzende Maßnahmen: Stärkere Empfehlung für multimodale Ansätze, einschließlich Sport- und Bewegungstherapie, künstlerischer Therapien sowie Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe.
Die aktualisierte Leitlinie finden Sie hier.
Tipp: Altersgerechte und verständliche Informationen über Depressionen können Ihre Patient:innen und deren Eltern hier finden.