Die zunehmende Verbreitung antifungaler Resistenzen stellt eine wachsende Herausforderung für die Humanmedizin dar. Eine internationale Expert:innengruppe, darunter Prof. Dr. Michaela Lackner (MedUni Innsbruck), weist in einer aktuellen Publikation auf den möglichen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Fungiziden in der Land- und Viehwirtschaft und der Entstehung klinisch relevanter Resistenzen hin.
Während oberflächliche Mykosen, wie Haut-, Fuß- und Nagelpilz, in der Regel gut beherrschbar sind, stellen invasive Pilzinfektionen eine erhebliche Bedrohung dar. Diese betreffen insbesondere immunsupprimierte Patient:innen sowie Intensivpatient:innen und können zu Organbefall oder septischen Verläufen führen. Weltweit sind jährlich über 6,5 Millionen Menschen von invasiven Mykosen betroffen, mit hoher Letalität selbst bei prinzipiell sensiblen Erregern.
Besondere klinische Relevanz haben zunehmend resistente Spezies wie Candida auris, die nosokomiale Fungämien verursachen können. Zudem zeigt Aspergillus fumigatus zunehmend Resistenzen gegenüber Azolen, was insbesondere bei immunkompromittierten Patient:innen mit einer Pneumonie einhergehen kann und die Prognose signifikant verschlechtert.
Aktuelle Daten des RKI zeigen einen Anstieg von Pilznachweisen sowohl im stationären (+14 %) als auch im ambulanten Bereich (+31 %). Die Resistenzraten sind derzeit noch vergleichsweise niedrig, jedoch mit steigender Tendenz. 0,3–1,9 % der Isolate zeigen verminderte Empfindlichkeit gegenüber Echinocandinen, und 0,4–16,6 % gegenüber Azolen.
Azole (z. B. Fluconazol) stellen aufgrund ihrer oralen Verfügbarkeit und Kostenstruktur eine zentrale Säule der Therapie invasiver Mykosen dar. Echinocandine sind hingegen kostenintensiv und nur intravenös verabreichbar. Besorgniserregend ist zudem die zunehmende Resistenzentwicklung gegenüber Terbinafin, dem First-Line-Therapeutikum bei Dermatophytosen, insbesondere in Südasien.
Weitere relevante Erreger mit dokumentierten Resistenzen sind u. a. Candida tropicalis, Nakaseomyces glabratus (ehemals Candida glabrata), Candida parapsilosis, Cryptococcus spp., Trichophyton rubrum sowie Sporothrix brasiliensis, wobei entsprechende Entwicklungen teilweise auch in Österreich beobachtet werden.
Ein wesentlicher Treiber der Resistenzentwicklung könnte der breite Einsatz von Azol-Fungiziden in Landwirtschaft und Veterinärmedizin sein. Eine aerogene Exposition gegenüber resistenten Umweltisolaten wird als möglicher Übertragungsweg auf den Menschen diskutiert.
Die Autor:innen schlagen einen 5-Punkte-Plan vor, angelehnt an bestehende Strategien zur Antibiotikaresistenz:
- Awareness & Education: Stärkung des Problembewusstseins in Fachkreisen und Öffentlichkeit.
- Surveillance & Research: Integration der Mykosen und antifungalen Resistenzen in bestehende Überwachungssysteme.
- Infection Prevention & Control (WASH): Erweiterung etablierter Hygienestrategien um relevante Mykosen.
- Optimized Use (Stewardship): Rationaler Einsatz von Antimykotika analog zu Antibiotic-Stewardship-Programmen.
- Investment & Innovation: Ausbau labordiagnostischer Kapazitäten sowie Förderung der Entwicklung neuer Antimykotika.
Die Entwicklung neuer antimykotischer Substanzen gestaltet sich jedoch schwierig, da Pilze wie humane Zellen eukaryotisch organisiert sind und somit weniger selektive Angriffspunkte bieten. In den letzten 75 Jahren wurden lediglich fünf neue Antimykotika-Klassen eingeführt, im Vergleich zu mehr als 15 Klassen und über 80 Wirkstoffen im Bereich der Antibiotika.
Ein zentrales Ziel der Expert:innengruppe ist daher die explizite Berücksichtigung antifungaler Resistenzen im "Global Action Plan on Antimicrobial Resistance", dessen Aktualisierung aktuell ansteht.