Hausärzt:in 02/2024

Vitamin D: Neue Methode zur Messung präzisiert Ergebnisse

In wissenschaftlichen Studien häuft sich die Kritik hinsichtlich der Vitamin-D-Gabe bei grundsätzlich gesunden Menschen. Das wirft wiederum die Frage auf, wie treffsicher die aktuellen Empfehlungen zur Feststellung eines Vitamin-D-Mangels sind. Nun haben Forscher:innen der Med Uni Graz eine Methode entwickelt, um den Vitamin-D-Haushalt besser beurteilen zu können.

Üblicherweise wird beim Vitamin-D-Test nur das sogenannte 25-Hydroxyvitamin D (25[OH]D) im Blut gemessen und ein allgemeingültiger Grenzwert zur Beurteilung des Ergebnisses herangezogen. Markus Herrmann vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Med Uni Graz erklärt, dass ein solches Prozedere aus vielerlei Hinsicht problematisch ist, da das 25(OH)D lediglich eine inaktive Vorstufe von Vitamin D darstellt. Der Wert gäbe zwar Auskunft über die verfügbare Menge an Vitamin D, sage aber nicht darüber aus, wie diese vom Körper genutzt wird.

Mit unserer neuen Methode wird zusätzlich das inaktive Abbauprodukt 24,25-Dihydroxyvitamin D (24,25[OH]2D) ermittelt, womit bessere Schlüsse auf die Vorgänge im Körper gezogen werden können", so der Experte. 

Die Ergebnisse seien laut Forscher:innen ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer personalisierten Beurteilung des Vitamin-D-Haushaltes. Schließlich könne künftig damit besser differenziert werden, welche Patient:innen tatsächlich einen funktionell relevanten Vitamin-D-Mangel haben und potenziell von einer Supplementation des Stoffes profitieren könnten.

Für die Analyse wurden Daten von zwei sehr großen Kohortenstudien herangezogen. Eine davon setzte sich aus 2.010 österreichischen Blutspender:innen zusammen, während die andere 3.316 Patient:innen, die zu einer Herzkatheter-Untersuchung angemeldet waren, einschloss. Von diesen Patient:innen gab es auch eine 10-jährige Nachverfolgung inklusive Informationen zu Todesfällen.

In den untersuchten Kohorten reduzierte sich die Anzahl der von Vitamin-D-Mangel betroffenen Patient:innen um etwa 20 %, was laut Forscher:innen erheblich zur Vermeidung unnötiger Vitamin-D-Gaben beitragen könnte.

Weitere Studien sollen nun zeigen, welche Auswirkungen ein funktioneller Vitamin-D-Mangel auf die Knochendichte und das Risiko für Knochenbrüche hat.

Die Studie wurde auf der Plattform des National Center for Biotechnology Information veröffentlicht.

Functional Assessment of Vitamin D Status by a Novel Metabolic Approach: The Low Vitamin D Profile Concept