Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Verdacht auf Appendizitis: Frühe Abklärung kann Perforationen verhindern

Eine frühe chirurgische Abklärung könnte entscheidend sein, um Komplikationen bei akuter Appendizitis zu vermeiden. In einer internationalen Studie war eine verzögerte Beurteilung mit einem deutlich höheren Risiko für eine Perforation verbunden.

Je länger Patient:innen mit einer akuten Appendizitis bis zur ersten chirurgischen Beurteilung warten, desto höher ist ihr Risiko für eine Perforation. Das zeigt die internationale prospektive Beobachtungsstudie AlliGatOr, die mit mehr als 45.000 operierten Betroffenen aus 112 Ländern die bislang größte Untersuchung zu diesem Thema darstellt.

In die Analyse wurden 45.218 Patient:innen mit Verdacht auf akute Appendizitis eingeschlossen. Der primäre Endpunkt war das Vorliegen einer Perforation. Untersucht wurde insbesondere der Zeitraum zwischen Symptombeginn und erster chirurgischer Begutachtung. Die Perforationsrate nahm mit zunehmender Verzögerung kontinuierlich zu. Wurden Betroffene innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn chirurgisch beurteilt, lag die Rate perforierter Appendizitiden bei 22,9 %. Nach 24 bis 47 Stunden betrug sie bereits 33,6 %, nach 48 bis 71 Stunden 41,7 % und nach mindestens 72 Stunden 48,0 %. Im Vergleich zur Referenzgruppe war das Perforationsrisiko bei einer Verzögerung von mindestens 72 Stunden um 85 % erhöht (aRR 1,85; 95-%-KI 1,75-1,95).

Bemerkenswert war, dass eine längere Zeitspanne zwischen chirurgischer Beurteilung und Operation nicht mit einem höheren Perforationsrisiko assoziiert war. Die Autoren vermuten, dass schwerere Fälle bevorzugt früh operiert werden und das Risiko einer Perforation vor allem durch Verzögerungen vor der Krankenhausvorstellung bestimmt wird.

Eine perforierte Appendizitis wirkte sich deutlich auf die Prognose aus. Innerhalb von 30 Tagen war das Risiko für postoperative Komplikationen mehr als verdoppelt. Zudem traten Komplikationen nach offener Chirurgie häufiger auf als nach minimalinvasiven Eingriffen. Ein höheres Komplikationsrisiko fand sich außerdem bei Patient:innen über 45 Jahren sowie bei ASA-Klasse III bis V.

Die Rate negativer Appendektomien lag bei 5,2 %. Eine präoperative CT-Diagnostik war mit einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit für eine unnötige Entfernung einer nicht entzündeten Appendix verbunden.

Darüber hinaus zeigte die Studie erhebliche globale Unterschiede in der Versorgung. Während in Ländern mit hohem Einkommen bei 58,6 % der Betroffenen eine CT-Untersuchung durchgeführt wurde, lag dieser Anteil in Ländern mit niedrigem Einkommen lediglich bei 5,6 %. Auch der Einsatz minimalinvasiver Verfahren variierte deutlich und reichte von 95,8 % bis 7,3 %.

Aus Sicht der Autor:innen unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer frühzeitigen chirurgischen Abklärung. Als realistisches Versorgungsziel schlagen sie vor, Patient:innen mit Verdacht auf Appendizitis innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn einer chirurgischen Beurteilung zuzuführen. Gleichzeitig könnten ein besserer Zugang zu bildgebender Diagnostik und der Ausbau minimalinvasiver Operationsverfahren die Behandlungsqualität weiter verbessern.