Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Survodutid: Neuer dualer GLP‑1/Glukagon‑Agonist

Auf dem Kongress der American Diabetes Association (ADA) wurden kürzlich neue Daten zu Survodutid, einem neuartigen dualen Glukagon und GLP-1-Rezeptoragonist aus zwei Phase‑III‑Studien präsentiert.

Survodutid ist ein neuartiger dualer Glukagon-/GLP‑1‑Rezeptoragonist, dessen therapeutischer Ansatz über die reine Gewichtsreduktion hinausgeht und gezielt metabolische Komorbiditäten wie die metabolisch bedingte steatotische Lebererkrankung (MASLD) und die metabolisch bedingte Steatohepatitis (MASH) adressiert.

Als dualer Agonist aktiviert Survodutid sowohl den GLP‑1‑ als auch den Glukagonrezeptor, die beide eine zentrale Rolle in der Regulation metabolischer Prozesse spielen. Neben den klassischen GLP‑1‑vermittelten Effekten wie der Verzögerung der Magenentleerung, Appetitreduktion und Steigerung der Insulinsekretion, trägt die Glukagonrezeptoraktivierung zusätzlich zur Förderung der hepatischen Lipolyse und Reduktion des Leberfetts bei.

Die Phase‑III‑Studie SYNCHRONIZE‑1 ist eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie über 76 Wochen mit 725 Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsassoziierten Komorbidität, jedoch ohne Typ‑2‑Diabetes. Die Studienteilnehmenden erhielten einmal wöchentlich 3,6 mg oder 6,0 mg Survodutid subkutan oder Placebo, jeweils in Kombination mit Lebensstilinterventionen. Der mittlere Gewichtsverlust betrug unter Survodutid bis zu 16,6 % des Ausgangsgewichts gegenüber 3,2 % unter Placebo. Bis zu 85 % der Patient:innen erreichten eine Gewichtsreduktion von mindestens 5 %. Beide primären Endpunkte wurden damit erreicht.

Die jetzt publizierten Daten zeigen darüber hinaus signifikante Effekte auf die Körperzusammensetzung. Das viszerale Fettgewebe wurde um bis zu 34 % reduziert, der Leberfettgehalt um bis zu 63,1 %. Der Verlust fettfreier Masse blieb mit maximal 10,8 % der Gesamtgewichtsreduktion vergleichsweise gering. Insgesamt wurden 31 sekundäre Endpunkte analysiert, mit klinisch relevanten Verbesserungen unter anderem bei Blutdruck, BMI, Gesamtcholesterin und HbA1c.

In der Phase‑III‑Studie SYNCHRONIZE‑MASLD wurden 218 Patient:innen mit Adipositas oder Übergewicht und zusätzlich histologisch nachgewiesener MASLD mit Entzündung und/oder Fibrose untersucht. Über 48 Wochen erhielten sie 6,0 mg Survodutid oder Placebo einmal wöchentlich. Beide primären Endpunkte wurden erreicht.

Eine relative Reduktion des Leberfettgehalts um mindestens 30 % wurde von 84,2 % der Patient:innen unter Survodutid erzielt, verglichen mit etwa 25 % im Placeboarm. Das Körpergewicht reduzierte sich um bis zu 12,2 % versus 1,0 % unter Placebo. Zudem erreichten 60 % der Patient:innen unter Survodutid eine Normalisierung des Leberfettgehalts (< 5 %), verglichen mit etwa 5 % unter Placebo. Sekundäre Endpunkte, einschließlich Leberenzymen, zeigten darüber hinaus Hinweise auf eine reduzierte inflammatorische Aktivität.

Das Sicherheitsprofil entsprach dem anderer Inkretinmimetika. Die häufigsten Nebenwirkungen waren gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation), überwiegend leicht bis moderat und vor allem während der Dosiseskalation. Die Abbruchrate aufgrund gastrointestinaler Nebenwirkungen lag in SYNCHRONIZE‑1 bei rund 20 % gegenüber 2,9 % unter Placebo. Neue Sicherheitssignale wurden in beiden Studien nicht beobachtet.

Darüber hinaus wird Survodutid in weiteren Phase-III-Studien, unter anderem der Einfluss auf die Frauengesundheit, Herzfunktion und MASH untersucht.