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Ärzt:in Assistenz 2026

Nirmatrelvir/Ritonavir verbessert Long-COVID-Symptome nicht

Kann eine antivirale Therapie Long COVID bessern? Eine neue Studie untersuchte, ob eine mehrwöchige Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir die postakuten Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion lindern kann.

Nirmatrelvir/Ritonavir gilt als wirksame Therapie zur Behandlung der akuten COVID-19-Infektion. Ob das Virostatikum auch bei Long COVID einen Nutzen haben könnte, ist bislang unklar.

Nach Angaben der Autor:innen sind mehr als 5 % der US-Bevölkerung von Long COVID betroffen. Die Betroffenen leiden mindestens 90 Tage nach der akuten SARS-CoV-2-Infektion unter kognitiven Einschränkungen ("Brain Fog"), Symptomen einer autonomen Dysfunktion wie Schwindel, Tachykardie, Dyspnoe oder orthostatischer Hypotonie sowie unter körperlichen Beeinträchtigungen mit Fatigue und verminderter Belastbarkeit. Mehr als 1 % der Bevölkerung berichtet über eine erhebliche Einschränkung der Alltagsfunktion.

Die Pathophysiologie von Long COVID ist weiterhin ungeklärt. Eine der diskutierten Hypothesen ist die Persistenz viraler Bestandteile infolge einer unvollständigen Elimination von SARS-CoV-2 durch das Immunsystem. Daraus ergibt sich die Annahme, dass eine antivirale Therapie die Symptomatik verbessern könnte. Als antivirale Standardtherapie kommt die Kombination aus Nirmatrelvir, einem Inhibitor der SARS-CoV-2-Hauptprotease, und Ritonavir zum Einsatz, das durch Hemmung des hepatischen Metabolismus die Exposition von Nirmatrelvir erhöht. Das Präparat ist in den USA und Europa zur Behandlung der akuten COVID-19-Infektion zugelassen und wird üblicherweise über fünf Tage verabreicht.

Die US-amerikanische RECOVER-Initiative untersuchte die Hypothese einer Viruspersistenz in der Phase-2-Studie RECOVER-VITAL. An 69 Zentren wurden 959 Erwachsene mit Long COVID und einem medianen Alter von 49 Jahren eingeschlossen.

Unter der verlängerten Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir berichteten 58 % der Teilnehmer:innen über eine klinisch relevante Verbesserung kognitiver Symptome, unter der kürzeren Behandlung 53 %. Der Unterschied zur Placebo-Gruppe mit einer Besserungsrate von 55 % war jedoch nicht signifikant.  Auch hinsichtlich der autonomen Dysfunktion ergaben sich keine Vorteile gegenüber Placebo. Die Symptomatik besserte sich bei 62 % bzw. 70 % der mit Nirmatrelvir/Ritonavir behandelten Teilnehmer:innen gegenüber 70 % unter Placebo. Für die Belastungsintoleranz wurden Verbesserungsraten von 25 % bzw. 34 % unter Wirkstoff und 33 % unter Placebo dokumentiert. Die antivirale Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir führte somit zu keinem klinisch relevanten Nutzen bei Long COVID. Gleichzeitig zeigte sich in allen Studienarmen eine teilweise ausgeprägte spontane Symptomverbesserung im Beobachtungszeitraum.

Die Ergebnisse bestätigen zudem Beobachtungen aus anderen postviralen Syndromen, wonach sich ein Großteil der Betroffenen im Verlauf erholt. Körperliche Belastungsintoleranz scheint dabei persistenter zu sein als kognitive Symptome oder Störungen des autonomen Nervensystems.

Die verlängerte Gabe von Nirmatrelvir/Ritonavir erwies sich insgesamt als akzeptabel verträglich. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählten Diarrhö und Übelkeit. Zwei Teilnehmer:innen entwickelten schwerwiegende leberbezogene unerwünschte Ereignisse, darunter ein Fall einer Arzneimittelunverträglichkeit.