Hausärzt:in 02/2024

Neuroblastom im Vorschulalter: Flüssigbiopsien sollen Rückfall frühzeitig erkennen

Jährlich gibt es im EU-Raum etwa 1.500 junge Neuroblastom-Betroffene, von denen die Hälfte als Hochrisiko-Fälle eingestuft wird. Bei diesen tritt häufig ein Rückfall auf, für den herkömmliche Therapien oft nicht mehr wirksam sind. Die Hoffnung zur Früherkennung von Rezidiven liefern nun Flüssigbiopsien, die sich derzeit in der Testphase befinden.

Neuroblastome sind bösartige Tumorformen des peripheren Nervensystems, die vorwiegend Kinder im Vorschulalter betreffen. In 50 Prozent aller Fälle besteht das Risiko eines Rezidivs. Bisher wird der Therapieerfolg mittels bildgebender Verfahren und Knochenmarkuntersuchungen überprüft. Diese Untersuchungen sind teuer, invasiv und für die Kinder, die eine Narkose benötigen, belastend.

Ein internationales Forschungskonsortium unter der Koordination der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie (SIOPE) und der wissenschaftlichen Leitung der St. Anna Kinderkrebsforschung und des niederländischen Princess Máxima Center für pädiatrische Onkologie testet nun die Anwendung von Flüssigbiopsien zur Früherkennung von Rückfällen. Diese Methode ermöglicht die Überwachung des Therapieerfolgs und die frühzeitige Vorhersage von Tumorrezidiven.

Untersucht werden genetische Tumormarker im Blutplasma, kleine DNA-Stücke und Boten-RNA (mRNA), die von Tumorzellen freigesetzt werden und Auskunft über die genetischen Veränderungen im Tumor geben. Diese können im Falle eines Rückfalls helfen, gezielte Therapien für Kinder mit Neuroblastom zu finden. Ein Beispiel ist das Enzym anaplastische Lymphomkinase (ALK), das eine entscheidende Rolle bei der Krebsentstehung spielt. Weist der Tumor eines Kindes einen Fehler im ALK-Gen auf, könnte er mit ALK-hemmenden Medikamenten bekämpft werden.

Insgesamt haben sich 24 führende europäische Forschungseinrichtungen im Bereich der pädiatrischen Onkologie für dieses EU-Projekt zusammengefunden. Das Ziel ist es, den Nutzen dieser neuen Diagnosemethode zu untersuchen. Dazu werden bei 150 Patient:innen mit Hochrisiko-Neuroblastom mehrmals kleine Blutproben entnommen und im Labor untersucht. Das Projekt wird mit insgesamt acht Millionen Euro gefördert. Ziel des Projekts mit dem Titel „A SIOPEN study to MOnitor NeuroblastomA relapse with LIquid biopsy Sensitive Analysis“ - kurz: MONALISA - ist es, eine klinische Studie zu entwickeln, die schnell in die klinische Praxis umgesetzt werden kann.

„MONALISA“ hat eine Laufzeit von fünf Jahren und soll die Flüssigbiopsien als Standardverfahren zur Überwachung von rezidivierenden Neuroblastomen etablieren. Durch die Untersuchung der 150 Patient:innen mit Hochrisiko-Neuroblastom sollen nicht nur klinische Erkenntnisse gewonnen, sondern auch die Erfahrungen der Betroffenen und ihrer Eltern miteinbezogen werden.

St. Anna Kinderkrebsforschung