Inkretin-basierte Therapien wie GLP-1-Rezeptoragonisten und duale GIP/GLP-1-Agonisten haben die Adipositastherapie in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Das aktuelle Konsensuspapier der European Association for the Study of Obesity (EASO), der European Federation of the Associations of Dietitians (EFAD) und der European Coalition for People Living with Obesity (ECPO) betont jetzt, dass der langfristige Therapieerfolg maßgeblich von einer strukturierten ernährungsmedizinischen, funktionellen und psychologischen Begleitung abhängt.
Ein zentraler Schwerpunkt der Empfehlungen ist die medizinische Ernährungstherapie als Bestandteil eines multidisziplinären Behandlungskonzepts. Sie soll nicht nur eine adäquate Versorgung mit Protein sowie essenziellen Mikronährstoffen sicherstellen, sondern auch zur Reduktion gastrointestinaler Nebenwirkungen beitragen und die nachhaltige Etablierung gesundheitsförderlicher Ernährungsgewohnheiten unterstützen. Die Autor:innen empfehlen, die Ernährungstherapie durch qualifizierte Diätolog:innen bzw. Ernährungsexpert:innen durchführen zu lassen.
Das Konsensuspapier weist zudem darauf hin, dass unter Inkretin-basierten Therapien neben der Fettmasse auch fettfreie Körpermasse verloren gehen kann. Um einem klinisch relevanten Verlust an Muskelmasse und -funktion entgegenzuwirken, werden regelmäßige Kontrollen der Körperzusammensetzung sowie der körperlichen Leistungsfähigkeit empfohlen. Ergänzend zum BMI sollten dabei auch Taillenumfang und funktionelle Parameter wie die Handgreifkraft erhoben werden. Darüber hinaus wird die Integration eines strukturierten Krafttrainings ausdrücklich empfohlen.
Auch psychosoziale Aspekte sollten im Behandlungsverlauf berücksichtigt werden. Zwar zeigen viele Patient:innen unter der Therapie Verbesserungen der psychischen Gesundheit, dennoch können psychische Komorbiditäten oder Essstörungen fortbestehen. Daher empfehlen die Autor:innen ein entsprechendes Screening vor Therapiebeginn sowie eine bedarfsorientierte psychologische Begleitung während der Behandlung.
Darüber hinaus macht das Konsensuspapier auf bestehende Versorgungslücken aufmerksam. In vielen europäischen Gesundheitssystemen besteht weiterhin ein nur eingeschränkter Zugang zu multidisziplinären Adipositasprogrammen und qualifizierter Ernährungstherapie. Gleichzeitig identifizieren die Fachgesellschaften relevanten Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen Inkretin-basierter Therapien auf Ernährungsstatus, Muskel- und Knochengesundheit sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Mit diesem erstmals europaweit abgestimmten Konsensuspapier unterstreichen EASO, EFAD und ECPO die zentrale Bedeutung der Ernährungstherapie sowie funktioneller und psychologischer Begleitmaßnahmen bei medikamentösen Adipositastherapien.