Chronische Virushepatitiden zählen weiterhin zu den bedeutendsten Lebererkrankungen weltweit. Schätzungsweise 287 Millionen Menschen leben mit einer chronischen Hepatitis B oder C. Beide Infektionen stellen die häufigste Ursache für hepatozelluläre Karzinome dar. Jährlich sterben weltweit mehr als 1,3 Millionen Menschen an den Folgen von Hepatitis B oder C, bei gleichzeitig nahezu zwei Millionen Neuinfektionen pro Jahr.
Dabei stehen heute effektive Instrumente zur Verfügung, um die Erkrankung einzudämmen, wie zuverlässige Testverfahren, wirksame und erschwingliche Therapien sowie Impfstoffe gegen Hepatitis A und B. Dennoch bleibt die Virushepatitis häufig unerkannt, da sie oft über Jahre asymptomatisch verläuft. Fehlendes Bewusstsein, Fehlinformationen und Stigmatisierung erschweren den Zugang zu Testung und Behandlung.
Österreich hat sich 2011 dem WHO-Ziel angeschlossen, die virale Hepatitis bis 2030 zu eliminieren. Nach Ansicht der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) fehlt jedoch weiterhin ein nationaler Hepatitis-Aktionsplan, der insbesondere organisierte Screeningprogramme ermöglichen würde.
Lebererkrankungen nehmen auch in Österreich zu und stellen eine wachsende Belastung für das Gesundheitssystem dar. Die viralen Hepatitiden A, B, C und D sind hierzulande gut behandelbar und Hepatitis C ist bei frühzeitiger Diagnose sogar heilbar. Hepatitis B wird über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. Zu den häufigsten Infektionswegen zählen ungeschützter Sexualkontakt sowie gemeinsam verwendete Injektionsutensilien. Die vertikale Transmission bei der Geburt kommt aufgrund präventiver Maßnahmen vergleichsweise selten vor.
Von zentraler Bedeutung ist die Hepatitis-B-Impfung, die Bestandteil des österreichischen Kinderimpfprogramms ist. Sie schützt zugleich vor einer Infektion mit dem Hepatitis-Delta-Virus (HDV), das nur in Verbindung mit einer Hepatitis-B-Infektion auftreten kann. Die chronische Hepatitis D gilt als besonders aggressive Form viraler Hepatitiden und erhöht das Risiko für Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom deutlich. Eine chronische Hepatitis B ist derzeit nicht heilbar, kann jedoch durch moderne antivirale Therapien effektiv kontrolliert werden. Da viele Betroffene ihre Infektion nicht kennen, wird insbesondere für Risikogruppen eine gezielte Testung empfohlen. Experten fordern darüber hinaus ein einmaliges Hepatitis-B- und -C-Screening analog zum deutschen Modell für gesetzlich Versicherte ab dem 35. Lebensjahr.
Neben den viralen Hepatitiden gewinnt die steatotische Lebererkrankung (SLD) zunehmend an Bedeutung. Sie gilt insbesondere in industrialisierten Ländern als eine der häufigsten chronischen Lebererkrankungen. In Österreich sind Schätzungen zufolge 25 bis 30 % der Bevölkerung betroffen. Hauptursachen sind das metabolische Syndrom mit Adipositas, Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie und Dyslipidämie sowie Alkoholkonsum. Entwickelt sich eine entzündliche Form (MASH), besteht ein erhöhtes Risiko für Leberfibrose, Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom. Die Steatohepatitis zählt mittlerweile weltweit zu den häufigsten Indikationen für eine Lebertransplantation.
Laut HHÖ wird derzeit gemeinsam mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und der ÖGGH ein Präventions- und Screeningprogramm zur Früherkennung vorbereitet, begleitet von einer Informationskampagne.