Frühere Untersuchungen kamen bezüglich des Zusammenhangs zwischen Spielzeit und den Leistungen in verschiedenen kognitiven Tests zu unterschiedlichen Ergebnissen: Einerseits wurde langes Gaming mit vermehrt schlechten Schulleistungen, zunehmenden Schlafproblemen oder anderen psychosozialen Belastungen in Verbindung gebracht. Andererseits wurden aber auch positive Effekte in Bezug auf Aufmerksamkeit, räumliches Denken oder Problemlösungsfähigkeiten festgestellt.
Die Kremser Forscher:innen haben nun eine Erklärung dafür gefunden, wie das zusammenpassen könnte: "Die reine Spielzeit greift als alleiniges Maß zu kurz. Ein Teenager, der viele Stunden konzentriert ein komplexes Strategiespiel spielt, agiert völlig anders als jemand, der trotz negativer Folgen nicht mehr mit dem Spielen aufhören kann. Unsere Studie zeigt, warum die Forschung diese Nutzungsmuster klarer voneinander unterscheiden muss.", so David Willinger von der Karl Landsteiner Privatuniversität. Insgesamt 3.854 Jugendliche, zwischen 12 und 16 Jahren nahmen an der Studie teil.
Tatsächlich erzielten Teilnehmer:innen mit Symptome einer Internet-Gaming-Störung (IGD) – etwa Kontrollverlust, starkes Verlangen zu spielen, Täuschungsverhalten oder fortgesetztes Spielen trotz negativer Folgen – durchschnittlich klar schlechtere Testergebnisse in allen untersuchten kognitiven Bereichen, so etwa im logischen Denken, bei visuell-räumlichen Fähigkeiten, bei verbalen und numerischen Kompetenzen oder beim Langzeitgedächtnis. Bei Jugendlichen, bei denen das Gaming-Verhalten trotz langer Verweildauer vor den Spielen kontrolliert, abwechslungsreich und zielgerichtet blieb, wurden die Testergebnisse in einigen Bereichen mit zunehmender Spieldauer im Schnitt sogar leicht besser, so die Psycholog:innen. Auch die Art der Spiele war ein wichtiger Faktor. So waren Strategie- und Rollenspiele stärker mit besseren logischen und verbalen Fähigkeiten verbunden, während Shooter-Spiele den deutlichsten Zusammenhang mit dem Schweregrad einer Internet-Gaming-Störung zeigten.
Fazit: Dass intensives, aber kontrolliertes Gaming Fähigkeiten verbessert, könne man auf Basis der Studie nicht sagen. Jedes lange Abhängen vor Videospielen aber gleich als Risiko anzusehen, greife auch zu kurz. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin "Computers in Human Behavior" publiziert.