Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Hörverlust als relevanter Risikofaktor für Demenz

Hörminderung gilt als der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz. Eine frühzeitige Hörrehabilitation kann bei besonders gefährdeten Personen den kognitiven Abbau deutlich verlangsamen.

Bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen in Alpbach wurde die enge Verbindung zwischen Hörverlust und Demenz hervorgehoben. "45 % aller Demenzerkrankungen sind durch vermeidbare Faktoren bedingt. Der Hörverlust ist mit einem Anteil von 7 % der durch Behandlung am effektivsten beeinflussbare Faktor", sagte Benedikt Hofauer, Leiter der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Innsbruck.

Hörminderungen stellen ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem dar. Etwa 5 % der Bevölkerung sind von einer Einschränkung des Hörvermögens betroffen. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen weisen sogar bereits rund 25 % eine mittel- bis hochgradige Hörminderung auf.

Als Ursache für den Zusammenhang zwischen Hörverlust und Demenz wird ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren angenommen. Hörbeeinträchtigungen können zu sozialem Rückzug und Isolation führen, die wiederum das Risiko für depressive Erkrankungen erhöhen. Gleichzeitig müssen Betroffene bei Gesprächen und sozialen Interaktionen einen deutlich höheren kognitiven Aufwand leisten, um Sprachinformationen zu verarbeiten. Ohne therapeutische oder rehabilitative Maßnahmen kann sich daraus ein Teufelskreis entwickeln, der den kognitiven Abbau begünstigt. Studien zeigen, dass eine Abnahme des Hörvermögens um zehn Dezibel mit einem um 16 % erhöhten Demenzrisiko verbunden ist.

"Man hat festgestellt, dass vor allem Patient:innen mit einem zusätzlichen Demenzrisiko von einer frühzeitigen Hörrehabilitation profitieren. Es kam nach drei Jahren zu einem um 48 % geringeren kognitiven Abbau im Vergleich zu Kontrollpatient:innen", erläuterte Hofauer.

Hörminderung und kognitive Leistungseinbußen entwickeln sich häufig parallel im höheren Lebensalter. Während die Prävalenz von Hörverlust ab etwa dem 60. Lebensjahr deutlich zunimmt, steigt das Demenzrisiko insbesondere ab dem 65. Lebensjahr an. Frauen sind von Demenzerkrankungen häufiger betroffen als Männer. Darüber hinaus besteht ein Zusammenhang zwischen niedrigem sozioökonomischem Status und einem erhöhten Risiko für Hörbeeinträchtigungen. Auch Sehbeeinträchtigungen werden als weiterer beeinflussbarer Risikofaktor für kognitive Einschränkungen angesehen.

Im Bereich der Früherkennung verfügt Österreich bereits über etablierte Vorsorgemaßnahmen, darunter das Neugeborenen-Hörscreening sowie HNO-Untersuchungen vor Schuleintritt. Dadurch können angeborene oder früh erworbene Hörstörungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Für ein allgemeines Screening auf Hörminderungen bei Erwachsenen liegt nach derzeitiger Datenlage jedoch noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz vor.