Adipositas ist der wichtigste modifizierbare Risikofaktor der OSA und liegt bei etwa 60 % bis 70 % der Betroffenen vor. Angesichts der zunehmenden Anwendung von Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) zur Behandlung der Adipositas liegt die Vermutung nahe, dass diese Substanzen auch die Therapie der OSA unterstützen könnten. Ein aktuelles Review bestätigt diesen Zusammenhang, zeigt jedoch zugleich, dass die Wirksamkeit der Pharmakotherapie bislang nicht an den Therapiestandard der kontinuierlichen positiven Atemwegsdrucktherapie (CPAP) heranreicht.
Insgesamt sechs zwischen 2024 und 2025 publizierte systematische Reviews und Metaanalysen dokumentieren konsistent eine Senkung des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) unter GLP-1-RA-Therapie.
In die Analysen gingen Daten von insgesamt 1.067 Patient:innen ein. Dabei reduzierte sich der AHI im Mittel um 9,48 Ereignisse pro Stunde. In Subgruppenanalysen erwies sich Tirzepatid als deutlich wirksamer als Liraglutid und senkte den AHI um 21,86 beziehungsweise 5,10 Ereignisse pro Stunde. Im direkten Vergleich zeigte CPAP jedoch die stärkere Wirkung. Die AHI-Reduktion betrug durchschnittlich 30,7 gegenüber 21,8 Ereignissen pro Stunde unter Tirzepatid, was einem um etwa 30 % höheren Effekt der mechanischen Therapie entspricht.
Als Schlüsselnachweis für die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung der OSA heben die Autor:innen des Reviews die Phase-3-Studie SURMOUNT-OSA hervor. In zwei parallelen, 52 Wochen dauernden Studien wurden 469 Erwachsene mit Adipositas (mittlerer BMI etwa 39 kg/m2) und mittelgradiger bis schwerer OSA (mittlerer AHI etwa 50 Ereignisse pro Stunde) an 60 Zentren in neun Ländern randomisiert Tirzepatid (bis 15 mg einmal wöchentlich) oder Placebo zugeteilt. Unter Tirzepatid wurde dabei ein mittlerer Gewichtsverlust von 18 % bis 20 % erzielt, verglichen mit 2 % bis 3 % unter Placebo. Parallel dazu nahm der AHI deutlich stärker ab: In Studie 1 sank er um 25,3 gegenüber 5,3 Ereignissen pro Stunde, in Studie 2 um 29,3 gegenüber 5,5 Ereignissen pro Stunde. Besonders bemerkenswert war die Remissionsrate. 42 % bis 50 % der mit Tirzepatid behandelten Teilnehmer:innen erreichten eine Remission der OSA, definiert als AHI < 5 Ereignisse pro Stunde oder AHI < 15 Ereignisse pro Stunde ohne Symptome. Unter Placebo lag dieser Anteil bei 14 % bis 16 %.
Als zentraler Wirkmechanismus gilt der Gewichtsverlust. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass GLP-1-Rezeptoragonisten das Zungenfett sowie das parapharyngeale Fettgewebe reduzieren und damit Strukturen beeinflussen, die zum Kollaps der oberen Atemwege beitragen. Präklinische Daten weisen zudem auf mögliche gewichtsunabhängige Effekte hin.
Nach Einschätzung der Review-Autor:innen könnten GLP-1-Rezeptoragonisten bei adipositasassoziierter OSA als krankheitsmodifizierende Zusatztherapie eingesetzt werden. Mögliche Anwendungsbereiche sehen sie als Ergänzung zur CPAP-Therapie, zur präoperativen Optimierung bei Eingriffen an den oberen Atemwegen oder zur Erweiterung der Indikationsmöglichkeiten für eine Hypoglossusnervstimulation. Besonders geeignet erscheinen die Substanzen für Patient:innen mit einem BMI von mindestens 30 kg/m2, die CPAP nicht tolerieren oder adipositasassoziierte Komorbiditäten aufweisen. Für Menschen ohne Adipositas oder mit überwiegend anatomisch bedingter Obstruktion halten die Autor:innen einen relevanten Nutzen dagegen für unwahrscheinlich.
Zu den wichtigsten Evidenzlücken zählen weiterhin Daten zum Zusammenhang zwischen GLP-1-RA-Therapien und dem kritischen pharyngealen Verschlussdruck, zu medikamenteninduzierten Kollapsmustern in der medikamenteninduzierten Schlafendoskopie sowie zu den Ergebnissen einer Kombinationstherapie mit Hypoglossusnervstimulation.