Das Lungenkarzinom zählt in Österreich weiterhin zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Da die Erkrankung häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird, haben die Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG), die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (ÖGAM) sowie die Österreichische Gesellschaft für Thoraxchirurgie (ÖGTC) ein gemeinsames Positionspapier zur Einführung eines nationalen, qualitätsgesicherten Lungenkarzinom-Screenings vorgelegt.
Die Empfehlungen basieren auf internationaler Evidenz, europäischen Leitlinien sowie österreichischen epidemiologischen und gesundheitsökonomischen Daten. Studien zeigen, dass ein strukturiertes Screening mittels Low-Dose-Computertomographie (LDCT) die lungenkarzinombedingte Mortalität senken und die Diagnose häufiger in frühe, potenziell kurativ behandelbare Stadien verlagern kann. Dadurch ergeben sich bessere Behandlungsmöglichkeiten, häufig weniger belastende Therapien und eine günstigere Prognose.
Darüber hinaus bietet ein strukturiertes Screening-Programm die Möglichkeit, Maßnahmen zur Raucher:innenentwöhnung systematisch zu integrieren und damit präventive Ansätze zu stärken. Auch internationale radiologische und pneumologische Fachgesellschaften befürworten die Einführung eines LDCT-Screenings zur Lungenkrebsfrüherkennung. Die EU-Kommission empfahl bereits 2022 den schrittweisen Aufbau nationaler Screening-Programme für aktuelle und ehemalige starke Raucher:innen.
Die Auswahl der Teilnehmer:innen gilt als wesentliche Voraussetzung für den Erfolg und die Kosteneffizienz eines Screening-Programms. Die beteiligten Fachgesellschaften empfehlen daher ein risikoadaptiertes Vorgehen entsprechend den aktuellen europäischen Empfehlungen. Zur Zielgruppe zählen insbesondere aktuelle und ehemalige starke Raucher:innen im Alter von 50 bis 75 Jahren mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko. Die konkreten Ein- und Ausschlusskriterien sollen auf evidenzbasierten Risikomodellen beruhen und österreichweit einheitlich angewendet werden.
Gleichzeitig betont das Positionspapier, dass ein Lungenkarzinom-Screening ausschließlich im Rahmen eines qualitätsgesicherten Programms erfolgen sollte. Zu den Limitationen zählen falsch-positive Befunde mit der Notwendigkeit weiterer diagnostischer Abklärungen, potenzielle Überdiagnosen sowie die wiederholte Exposition gegenüber niedrigen Strahlendosen. Standardisierte Befundungs- und Nachsorgekonzepte sollen dazu beitragen, potenzielle Risiken zu minimieren.
Das Positionspapier empfiehlt die Einführung eines nationalen Screening-Programms mit standardisierten Ein- und Ausschlusskriterien, klar definierten diagnostischen Abläufen und einer umfassenden Qualitätssicherung. Vorgesehen sind zudem ein nationales Register mit harmonisiertem Datenmanagement, Pilotprojekte mit zentraler Evaluierung sowie eine schrittweise landesweite Implementierung. Voraussetzung dafür ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin, Radiologie, Pneumologie und Thoraxchirurgie.
Nach Ansicht der Autor:innen bietet ein nationales LDCT-Screening die Chance, die Lungenkrebssterblichkeit in Österreich nachhaltig zu senken und die Versorgung von Personen mit erhöhtem Risiko zu verbessern. Das Positionspapier soll die wissenschaftliche Grundlage für die gesundheitspolitische Umsetzung eines österreichweiten Lungenkarzinom-Screenings schaffen.