Krebs ist nach wie vor die zweithäufigste Todesursache in Österreich. Gleichzeitig haben innovative Therapien die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Im Fokus stehen dabei Immuntherapien wie Checkpoint-Inhibitoren, CAR-T-Zelltherapien, T-Zell-Engager sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Als besonders vielversprechende Entwicklung gilt derzeit die In-vivo-Zelltherapie, bei der körpereigene Immunzellen direkt im Organismus genetisch programmiert werden.
Jährlich erkranken in Österreich rund 42.000 Menschen an Krebs. Das Verständnis der Erkrankung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Krebs wird heute zunehmend als Systemerkrankung betrachtet, bei der nicht nur der Tumor selbst, sondern auch das Immunsystem, das Nervensystem und das Mikrobiom eine wichtige Rolle spielen. Ein besseres Verständnis dieser komplexen Wechselwirkungen könnte künftig helfen, vorhersagen zu können, welche Patient:innen besonders gut auf bestimmte Therapien ansprechen und bei wem Resistenzen zu erwarten sind.
Checkpoint-Inhibitoren zählen mittlerweile zu den wichtigsten immunonkologischen Therapien. Sie lösen bestimmte Bremsmechanismen des Immunsystems, die von Tumoren genutzt werden, um einer Immunantwort zu entgehen. Besonders wirksam sind diese Therapien unter anderem bei Melanomen, Lungenkarzinomen, bestimmten Lymphomen, Blasenkarzinomen und triple-negativem Mammakarzinom.
Bei der CAR-T-Zelltherapie werden patienteneigene T-Zellen genetisch verändert und anschließend wieder infundiert. Die Therapie wird bereits erfolgreich bei verschiedenen hämatologischen Neoplasien wie akuter lymphatischer Leukämie, Multiplem Myelom und bestimmten Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt.
Eine Alternative stellen sogenannte T-Zell-Engager dar. Diese Antikörper verbinden T-Zellen direkt mit Tumorzellen und aktivieren so die Immunantwort. Im Unterschied zur CAR-T-Zelltherapie kann die Behandlung rascher begonnen werden, da keine individuelle Zellherstellung erforderlich ist. Kürzlich wurde erstmals ein T-Zell-Engager für das kleinzellige Lungenkarzinom zugelassen.
Als Weiterentwicklung der CAR-T-Zelltherapie gilt die In-vivo-CAR-T-Technologie. Dabei werden T-Zellen direkt im Körper umprogrammiert, wodurch der aufwendige Herstellungsprozess außerhalb des Körpers entfallen könnte. Erste vielversprechende Daten liegen bislang beim Multiplen Myelom vor. Erste Zulassungen werden in den kommenden fünf Jahren erwartet.
Nicht nur Tumorzellen selbst, sondern auch Zellen ihrer Umgebung können den Krankheitsverlauf beeinflussen. Immunzellen, Bindegewebszellen und Gefäßzellen bilden zusammen mit dem Tumor komplexe Mikroumgebungen, sogenannte "Cancer Ecotypes". Dabei können etwa neutrophile Granulozyten sowohl antitumorale als auch tumorfördernde Eigenschaften entwickeln. Derzeit wird intensiv erforscht, wie solche Mechanismen therapeutisch genutzt werden können.
Neben präventiven Impfungen gegen HPV und Hepatitis B rücken zunehmend auch therapeutische Krebsimpfstoffe in den Fokus. Insbesondere personalisierte mRNA-Impfstoffe sollen künftig dazu beitragen, nach einer Immuntherapie eine länger anhaltende Immunantwort gegen Tumorzellen aufrechtzuerhalten.
Diese und weitere Entwicklungen werden auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 9. bis 12. Oktober in Wien diskutiert.