"Tabakerhitzer (...), die den Tabak erhitzen, statt ihn zu verbrennen, werden oft als weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten vermarktet. Unabhängige Belege für ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit und den Körper insgesamt sind jedoch weiterhin begrenzt", erklärte Lea Strohm vom Universitätsklinikum Mainz, die die Untersuchung leitete.
Die Studie umfasste 30 gesunde, erwachsene Raucher:innen mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren. Sie gaben Blutproben ab, ihr Blutdruck wurde gemessen, ihre Blutgefäße mittels Ultraschall der Hauptarterie im rechten Arm untersucht. Im Anschluss verwendeten sie ein Tabakerhitzungsprodukt. Zur Bestätigung der Ergebnisse wurden die Tests zweimal unabhängig voneinander durchgeführt.
Die Resultate waren laut Europäischer Gesellschaft für Kardiologie (ESC) eindeutig: "Beim Vergleich der Messwerte vor und nach der Anwendung stellten die Forscher:innen mehrere Veränderungen fest. Erstens stieg der systolische Blutdruck um drei Millimeter Quecksilbersäule. Zweitens verringerte sich die Gefäßfunktion um 11 %, gemessen anhand der Dilatation mit dem Blutfluss (FMD), die angibt, wie stark sich eine Arterie als Reaktion auf einen erhöhten Blutstrom erweitert. Schließlich gab es auch Anzeichen für eine verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers. Die venöse Sauerstoffsättigung, also der Anteil des an Hämoglobin gebundenen Sauerstoffs im zum Herzen zurückfließenden Blut, sank von etwa 71 % auf etwa 46 %."
Zudem fanden die Forscher:innen DNA-Schäden an den Blutzellen und eine oxidative Stressreaktion – was darauf hindeutet, dass die Zellen versuchen, sich gegen Schäden zu verteidigen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Produkte nicht biologisch neutral sind. Akute Exposition reichte aus, um bei ansonsten gesunden Raucher:innen Gefäßfunktionsstörungen, Stoffwechselstörungen und genetische Schäden hervorzurufen. Diese Ergebnisse widerlegen die Behauptung, dass erhitzte Tabakprodukte wesentlich weniger schädlich für das Herz-Kreislauf-System seien als herkömmliche Zigaretten", so Strohm. Um zu verstehen, wie lange die Auswirkungen des Konsums erhitzter Tabakprodukte auf das Herz-Kreislauf-System anhalten, seien größere Langzeitstudien erforderlich, so die Expertin. Alle Nikotinprodukte sollten laut den Autor:innen einheitlich geregelt werden.
Die Studie wurde im "European Journal of Preventive Cardiology" veröffentlicht.