Chronische Wunden gehören zu den komplexesten Versorgungsaufgaben im niedergelassenen Bereich. Wunden, die über Wochen, Monate oder sogar Jahre nicht abheilen, beeinträchtigen Lebensqualität, Mobilität und Selbstständigkeit der Betroffenen erheblich. Nach Angaben der Initiative Wund?Gesund! sind in Österreich rund 250.000 Menschen von einer oder mehreren chronischen Wunden betroffen.
Im Rahmen der Pressekonferenz berichtete Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, über den aktuellen Stand der Umsetzung des Qualitätsstandards "Integrierte Versorgung Chronische Wunden". Dieser war im März von der Bundeszielsteuerungskommission beschlossen worden und soll die Versorgung von Patient:innen durch evidenzbasierte Empfehlungen verbessern. Ein begleitendes Monitoring wurde bereits eingerichtet.
Mehrere Expert:innen betonten bei der Pressekonferenz die Bedeutung einer sektorenübergreifenden Zusammenarbeit. Menschen mit chronischen Wunden bewegen sich häufig zwischen Krankenhaus, Facharztordination, Hausarztpraxis, Pflegeeinrichtungen und häuslicher Betreuung. An diesen Schnittstellen entstehen nicht selten Versorgungsbrüche und Informationsverluste. Der neue Qualitätsstandard setzt daher auf integrierte Versorgungspfade, Versorgungskontinuität und interprofessionelle Zusammenarbeit.
Wie Alexander Eisenmann von der Gesundheit Österreich GmbH bei der Pressekonferenz erläuterte, soll bei der Versorgung von Patient:innen mit chronischen Wunden zumindest eine Fachperson mit Expertise im Wundmanagement eingebunden sein. Zudem definiert der Qualitätsstandard Empfehlungen für strukturierte Behandlungspfade und die regelmäßige Überprüfung des Therapieerfolgs. Besonders praxisrelevant ist die Empfehlung, eine umfassende Neubewertung vorzunehmen, wenn sich eine chronische Wunde trotz leitliniengerechter Behandlung innerhalb von vier bis sechs Wochen nicht bessert oder sogar verschlechtert. In diesem Fall soll die nächsthöhere Versorgungsebene eingebunden werden.
Ein zentrales Anliegen der aktuellen Diskussion ist die gesundheitliche Chancengerechtigkeit. Nach Ansicht der Teilnehmer:innen eines Dialogforums der Initiative Wund?Gesund! hängt die Versorgungsqualität derzeit noch zu stark von Faktoren wie Wohnort, Mobilität oder dem Zugang zu spezialisierten Angeboten ab. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte, dass die Versorgung chronischer Wunden nicht davon abhängen dürfe, wo Patient:innen leben oder wie gut sie eine medizinische Einrichtung erreichen können. Ziel sei ein rascher und qualitätsgesicherter Zugang für alle Betroffenen.
Die Botschaft der Pressekonferenz war eindeutig. Mit dem Qualitätsstandard liegt erstmals ein österreichweit abgestimmter Rahmen für die Versorgung chronischer Wunden vor. Nun kommt es darauf an, die Empfehlungen in die Versorgungspraxis zu übertragen.
Den Qualitätsstandard Integrierte Versorgung Chronische Wunden finden Sie hier.