Betablocker sind seit Jahrzehnten ein Grundpfeiler in der Nachsorge von Herzinfarkt-Patient:innen und immer indiziert, wenn es zu Herzrhythmusstörungen oder einer beginnenden Herzinsuffizienz kommt. Doch bei Patient:innen, die einen Herzinfarkt ohne Einbußen der linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) und im Sinusrhythmus überstehen, sind sie entbehrlich, zu diesem Ergebnis kommt eine neue Metaanalyse aus 5 aktuellen randomisierten Studien.
Vor der Einführung der perkutanen koronaren Intervention (PCI), die heute bei einem schweren Herzinfarkt unmittelbar nach Erreichen der Klinik erfolgt, hinterließen die meisten Herzinfarkte eine größere Narbe im Herzmuskel, die zu einer Herabsetzung der Pumpleistung führte. In diesem Fall können Betablocker verhindern, dass der Herzmuskel überlastet wird. Der Nutzen wurde in den 1989er durch mehrere Studien belegt.
Heute erhalten die meisten Patient:innen einen Stent in der Koronararterie, der die Durchblutung normalisiert, und verlassen die Klinik bereits nach wenigen Tagen. Außerdem erhalten sie Medikamente, wie ASS und ACE-Hemmern/Sartanen, die ihre Prognose verbessern. Auch Statine tragen dazu bei, dass die Koronarsklerosen nicht zu schnell voranschreiten. Vor diesem Hintergrund wird der Nutzen der Betablocker zunehmend infrage gestellt.
Mehrere Studien der letzten Jahre zeigen, dass nach einer PCI-Therapie die zusätzliche Behandlung mit Betablocker, wie Metoprolol oder Bisoprolol, die Zahl der Herzinfarkte oder Todesfälle nicht gesenkt hat. Alle Patient:innen hatten eine LVEF von mindestens 50 %. 45,5 % hatten einen ST-Hebungsinfarkt (STEMI) erlitten und wurden zu 95 % mit einer PCI versorgt. Ausgeschlossen von der Teilnahme waren Personen, die aufgrund eines Vorhofflimmerns oder anderer Gründe eine zwingende Indikation für die Verordnung eines Betablockers hatten.
Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus Tod aus jeglicher Ursache, Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz. Eines dieser Ereignisse trat nach median 3,6 Jahren in der Betablockergruppe bei 717 Personen (8,1 %) auf gegenüber 748 (8,3 %) in der Gruppe ohne Betablocker. Ähnliches trifft auch für die die sekundären Endpunkte zu. Zu einem Todesfall kam es in der Betablockergruppe bei 335 Personen versus 326 in der Gruppe ohne Betablocker. Ein Myokardinfarkt trat bei 360 beziehungsweise 407 Personen auf und eine Herzinsuffizienz entwickelten 75 versus 87 Patientinnen und Patienten.