Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Altersadjustierter D-Dimer-Grenzwert

Die altersadjustierte Interpretation des D-Dimer-Grenzwerts ist bei Verdacht auf Lungenembolie seit Langem etabliert. In der vorliegenden großen, prospektiven, multizentrischen Studie wurde untersucht, ob dieses Vorgehen auch bei Patient:innen mit Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose (DVT) sicher angewendet werden kann.

Insgesamt wurden 3.205 Personen eingeschlossen, die sich in der Notaufnahme mit DVT-Verdacht vorstellten. Grundlage der Diagnostik war zunächst die klinische Vortestwahrscheinlichkeit nach dem Wells-Score. Bei hoher bzw. wahrscheinlicher Vortestwahrscheinlichkeit erfolgte direkt eine Beinkompressionssonografie. Bei niedriger, mittlerer oder unwahrscheinlicher Vortestwahrscheinlichkeit wurde ein hochsensitiver D-Dimer-Test durchgeführt, der altersabhängig bewertet wurde: Unter 50 Jahren galt ein Wert < 500 µg/l als negativ, ab 50 Jahren ein Wert unter dem altersadjustierten Grenzwert (Alter × 10 µg/l).

Ein positives Testergebnis führte zur Sonografie, bei negativem D-Dimer wurde auf weitere Bildgebung verzichtet. Patient:innen mit ausgeschlossenem DVT-Verdacht wurden über drei Monate nach beobachtet. Die Gesamtprävalenz einer DVT betrug 14 %. Von den 2.169 Personen mit niedriger, mittlerer oder unwahrscheinlicher Vortestwahrscheinlichkeit lagen 24,5 % unter dem konventionellen Grenzwert und weitere 7,4 % zwischen 500 µg/l und dem altersadjustierten Grenzwert. In dieser Gruppe trat während der Nachbeobachtung kein symptomatisches venöses thromboembolisches Ereignis auf.

Besonders bei Patient:innen ≥ 75 Jahre erhöhte sich der Anteil negativer D-Dimer-Ergebnisse durch die altersadjustierte Bewertung deutlich (8,7 % vs. 26,1 %), ohne dass falsch-negative Befunde beobachtet wurden. Die Autor:innen folgern, dass der altersadjustierte D-Dimer-Grenzwert eine sichere Ausschlussdiagnostik der DVT bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit ermöglicht und gleichzeitig unnötige bildgebende Untersuchungen reduziert.