Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Adipositas: Braunes Fett als möglicher Gefäßschutz?

Eine aktuelle Studie der MedUni Wien untersucht den Einfluss von braunem Fettgewebe auf die Gefäßgesundheit.

Adipositas ist mit einem signifikant erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Atherosklerose und somit mit Myokardinfarkt und Schlaganfall assoziiert. Eine zentrale pathophysiologische Rolle spielen hierbei chronisch entzündliche Veränderungen der Gefäßwand, die bei starkem Übergewicht vermehrt auftreten.

In die vorliegende Studie wurden 65 Erwachsene mit Adipositas eingeschlossen. Die Aktivität des braunen Fettgewebes wurde nach standardisierter Kälteexposition mittels 18F‑FDG‑PET/CT quantifiziert. Diese bildgebende Methode nutzt radioaktiv markierte Glukose, um stoffwechselaktive Gewebe sichtbar zu machen. Parallel dazu wurde die Entzündungsaktivität in unterschiedlichen Abschnitten der Aorta bestimmt.

Bei rund einem Drittel der Studienteilnehmer:innen ließ sich nach einem Kältereiz ein metabolisch aktives braunes Fettgewebe nachweisen. Diese Personen wiesen im Vergleich zu Teilnehmenden ohne nachweisbares braunes Fett eine signifikant geringere Entzündungsaktivität in der Aorta auf. Zudem zeigte sich eine inverse Korrelation zwischen der Aktivität des braunen Fettgewebes und dem Ausmaß der vaskulären Entzündung. Je höher die Aktivität des braunen Fettgewebes, desto geringer war die Entzündungsaktivität der Gefäßwand.

Begleitende Analysen von Blutproben ergaben darüber hinaus, dass Personen mit aktivem braunem Fettgewebe erhöhte Konzentrationen bestimmter anti‑inflammatorischer und gefäßprotektiver Moleküle hatten. Gleichzeitig waren mehrere pro‑inflammatorische und pro‑atherogene Marker reduziert, die bekanntermaßen an der Progression der Atherosklerose beteiligt sind.

Braunes Fettgewebe spielt eine zentrale Rolle in der Thermogenese bei Neugeborenen und Kleinkindern. Im Laufe des Lebens nehmen sowohl die Masse als auch die Aktivität dieses Gewebes kontinuierlich ab, besonders ausgeprägt bei Adipositas. Im Gegensatz zum weißen Fettgewebe dient braunes Fett primär dem Energieverbrauch und nicht der Speicherung. Beim Erwachsenen ist braunes Fettgewebe vor allem im tiefen Nacken- und Halsbereich sowie im Thorax lokalisiert.

Die Aktivierung kann durch Kältereize erfolgen, beispielsweise durch kaltes Duschen oder Eisbaden. Des Weiteren wird an pharmakologische Ansätzen zur Aktivierung geforscht.