Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Die neue Patient:innengeneration

Schematische Darstelung von Personen mit Sprechblase © AYSIA / stock.adobe.com
Digital vernetzt, ungeduldig und gut informiert. All das klingt nach einer Herausforderung, ist in Wahrheit aber eine große Chance für Ordinationen.
Medizinische Expertise
Kathrin Zhuber

Kathrin Zhuber, MBA (Gründerin von DOC-N-ROLL Healthcare Management (spezialisiertes Dienstleistungsservice für niedergelassene Ärzt:innen bzw. Therapeut:innen))

www.doc-n-roll.at

Denn Patient:innen haben sich verändert – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ihr Alltag digital, schnell und informationsgetrieben ist. Genau diese Realität nehmen sie heute in die Praxis mit.

Digital bedeutet für sie vor allem eines: Unkompliziertheit. Termine werden rund um die Uhr online gebucht, Rezepte in digitaler Form erwartet, Rückfragen via einen sicheren Messenger gestellt. Fehlen diese Basic Services, steigt die Bereitschaft, die Ordination zu wechseln. Nicht aus Trotz, sondern weil es anderswo reibungsloser funktioniert. Für Praxen heißt das: Wer in benutzerfreundliche, datenschutzkonforme Tools investiert und sie gut erklärt – auf der Website oder direkt im Gespräch –, entlastet das Team und reduziert unnötige Kontakte.

Gleichzeitig ist diese Patientengeneration spürbar ungeduldiger. Lange Telefonwarteschleifen, tagelange Wartezeiten für E-Mail-Antworten oder volle Wartezimmer wirken wie aus der Zeit gefallen. Was hilft, ist Selfservice: Online-Terminverschiebungen, digitale Formulare, automatische Statusmeldungen wie "Ihr Rezept ist abholbereit". Das verkürzt nicht nur die gefühlte Wartezeit, sondern bringt auch Struktur in den Ordinationsalltag.

Und dann kommen jene Patient:innen vorbereitet – informiert durch "Dr. Google" oder "Dr. ChatGPT". Sie recherchieren Symptome im Voraus und bringen konkrete Erwartungen mit. Das ist keine Bedrohung ärztlicher Expertise, sondern eine Einladung zum Dialog. Digitale Aufklärung vor dem Termin schafft Raum für das Wesentliche: Einordnung, Beratung und gemeinsame Entscheidungen.

Gleichzeitig verändern sich die Rollen im Team. Ordinationsassistent:innen werden zu digitalen Lots:innen, klare Prozesse entlasten den Alltag. Entscheidend ist dabei weniger die Technik als die Haltung: Digitalisierung wirkt dort, wo sie begleitet, erklärt und als Unterstützung verstanden wird.

Fazit? Die neue Patient:innengeneration ist kein Risiko, sondern ein Spiegel unserer Zeit. Ordinationen, die sie als Chance begreifen, positionieren sich klar, arbeiten effizienter – und sind bereit für das, was kommt.