Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

WHO aktualisiert Leitlinie zur Demenzprävention

Die WHO hat eine aktualisierte Leitlinie zur Prävention von kognitivem Abbau und Demenz veröffentlicht. Die Empfehlungen basieren auf aktueller Evidenz und sollen die Risikoreduktion sowie eine Verzögerung des Krankheitsbeginns unterstützen.

Weltweit leben mehr als 57 Millionen Menschen mit Demenz, und jedes Jahr kommen fast 10 Millionen Neuerkrankungen hinzu. Obwohl bislang keine kurative Therapie für Demenzerkrankungen verfügbar ist, lassen sich nach aktuellen Erkenntnissen bis zu 45 % der Demenzfälle aber mit potenziell modifizierbaren Risikofaktoren in Verbindung bringen. Zu diesen zählen Tabak- und Alkoholkonsum, körperliche Inaktivität, soziale Isolation, Luftverschmutzung sowie kardiometabolische Erkrankungen wie arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus. 

Die aktualisierten WHO-Leitlinien basieren auf einer deutlich erweiterten Evidenzlage seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2019. Sie integrieren aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Primärprävention von kognitivem Abbau und Demenz und betonen die Bedeutung frühzeitiger Interventionen sowie einer konsequenten Kontrolle modifizierbarer Risikofaktoren.

Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen:

  • kognitives Training sowie geistige Stimulation,
  • die Teilnahme an sozialen Aktivitäten,
  • regelmäßige körperliche Aktivität,
  • Tabakentwöhnung,
  • die Reduktion des Alkoholkonsums,
  • eine gesunde Ernährung sowie
  • die Verringerung der Exposition gegenüber Luftschadstoffen.

Diese Empfehlungen gelten sowohl für kognitiv gesunde Erwachsene als auch für Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung. Ein weiterer zentraler Aspekt der Risikoreduktion ist die optimale Behandlung kardiometabolischer Begleiterkrankungen. Insbesondere die adäquate Kontrolle von arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus und Dyslipidämien kann zur Senkung des Demenzrisikos beitragen. Zudem können Hörgeräte bei Vorliegen einer Hörminderung als Bestandteil einer umfassenden Präventionsstrategie angeboten werden.

Nicht empfohlen wird der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln zur Prävention von kognitivem Abbau oder Demenz bei Personen ohne nachgewiesenen Mangelzustand. Dies betrifft insbesondere Vitamin-B-Präparate, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren (PUFA) sowie Multivitamin- und Mineralstoffpräparate. Nach Einschätzung der WHO ist die aktuelle Evidenzlage nicht ausreichend, um einen präventiven Nutzen dieser Interventionen zu belegen, der potenzielle Risiken oder unerwünschte Wirkungen überwiegt.