Für den Funktionsverlust transplantierter Nieren zählen Antikörper-vermittelte Abstoßungsreaktionen zu den wichtigsten Ursachen. Der Biomarker dd-cfDNA könnte einen neuen und deutlich weniger invasiven Ansatz zur Beurteilung der Krankheitsaktivität bieten: DNA-Fragmente werden dabei gemessen, die aus dem transplantierten Organ stammen und bei Schädigungen vermehrt ins Blut freigesetzt werden. Erhöhte Werte können so auf eine aktive Abstoßungsreaktion hinweisen.
Die vorliegende Studie knüpft an eine zuvor veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Phase-2-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des CD38-Antikörpers Felzartamab an, in der sich gezeigt hatte, dass die Abstoßungsaktivität nach Ende der Behandlung mit diesem Wirkstoff häufig wieder zunimmt. Nun untersuchte das Forschungsteam, ob eine längere Therapie und eine Steuerung der Behandlung anhand von dd-cfDNA-Werten zielführend sind. Elf Patient:innen mit anhaltender oder wiederkehrender Abstoßungsreaktion wurden dazu über zwölf Monate beobachtet. Nach einer sechsmonatigen Behandlungsphase mit festem Schema erfolgte die Therapie für weitere sechs Monate individuell mittels monatlicher dd-cfDNA-Messungen. Nur dann, wenn die Blutwerte bestimmte Schwellen überschritten und damit auf eine erneute Schädigung des Transplantats hindeuteten, wurden zusätzliche Felzartamab-Gaben verabreicht.
Die Ergebnisse zeigten, dass die gemessenen dd-cfDNA-Werte sensibel auf die Behandlung reagierten. Sie gingen nach der Verabreichung von Felzartamab typischerweise zurück und blieben bei vielen Patient:innen niedrig. Während der biomarkergesteuerten Phase bekamen manche Teilnehmer:innen lediglich zwei zusätzliche Infusionen innerhalb von sechs Monaten. Es zeigten sich aber deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Patient:innen, was darauf hindeutet, dass der Behandlungsbedarf individuell sehr unterschiedlich sein kann. Gleichzeitig nahm die Entzündung kleiner Blutgefäße im Transplantat, ein wichtiger Marker für Antikörper-vermittelte Abstoßung, deutlich ab. Die Nierenfunktion blieb während des gesamten Beobachtungszeitraums stabil.
"Unsere Ergebnisse stützen die Annahme, dass Antikörper-vermittelte Abstoßungsreaktionen häufig ein chronischer Prozess sind und von einer längerfristigen Behandlung profitieren könnten", erklärt Erstautorin Katharina Mayer (Universitätsklinik für Innere Medizin III). "Gleichzeitig zeigt unsere Studie erstmals, dass sich eine Therapie gegen Antikörper-vermittelte Abstoßungsreaktionen anhand eines Biomarkers individualisieren lässt. Die donor-derived cell-free DNA könnte künftig dabei helfen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und Behandlungen gezielter einzusetzen", so Studienleiter Georg A. Böhmig (Universitätsklinik für Innere Medizin III). Die Autor:innen weisen darauf hin, dass die Ergebnisse in größeren kontrollierten Studien bestätigt werden müssen.
Die Studie wurde im Fachmagazin "The Lancet Regional Health – Europe" veröffentlicht.