Hausärzt:in 05/2024

MRT-Studie: Neuer Marker für Prognose nach Herzinfarkt enthüllt

Den Ergebnissen einer MRT-Multicenterstudie unter der Leitung des Kardiologen Sebastian Reinstadler zufolge sollten die im MRT sichtbaren Einblutungen in den Herzmuskel (IMH) und nicht wie bisher Mikrovaskuläre Gefäßverschlüsse (MVO) als Marker zur Risikoberechnung sowie auch für die Entwicklung zukünftiger Therapien nach einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) herangezogen werden.

Für die Beurteilung von Funktion und Gewebeschaden des Herzmuskels nach einem Infarkt hat sich die kardiale Magnetresonanztomographie als Goldstandard erwiesen. Vor allem nach STEMI, von dem rund 40 % der Herzinfarkt-Patient:innen betroffen sind, ist die Beurteilung der individuellen Prognose mittels MRT entscheidend. "Nach der erfolgreichen Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes sehen wir bei rund 50 % der STEMI-Patient:innen sogenannte mikrovaskuläre Gefäßverschlüsse im MRT. Diese sind nicht behandelbar, galten aber bislang als Marker für eine schlechte Prognose", erklärt Studienleiter Sebastian Reinstadler von der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie.

In der Forschungsarbeit, die in enger Zusammenarbeit mit Agnes Mayr von der Univ.-Klinik für Radiologie entstanden ist, gelang es, mit IMH (intramyokardiale Einblutung), einem Schädigungsmuster, das eine ausgedehnte Entzündung mit Eisenablagerungen im Herzmuskel anzeigt, einen neuen unabhängigen Prognosemarker zu identifizieren. Dieses Ergebnis hat nicht nur für die Optimierung der Risikoabschätzung besondere Relevanz, sondern vor allem auch für die Entwicklung neuer Therapiestrategien, die auf die mikrovaskuläre Schädigung abzielen. "Nun stellt sich die Frage, ob spezifische Therapiestrategien nach einem Herzinfarkt (STEMI) das Outcome von Patient:innen mit IMH verbessern. Diese Hypothese ist nun Gegenstand weiterer Studien", so Reinstadler.

Um die prognostische Relevanz verschiedener Schädigungsmuster des Herzmuskels zu überprüfen, wurden prospektiv Daten von insgesamt 1.109 STEMI-Patient:innen aus vier Herzzentren (Innsbruck, Lübeck, Leipzig und Glasgow) analysiert. Dabei wurde die Kohorte in drei Gruppen eingeteilt: Patient:innnen ohne Mikrovaskuläre Gewebeschäden (weder MVO noch IMH), Patient:innen mit Mikrovaskulären Gefäßverschlüssen, aber ohne Einblutung in den Herzmuskel (MVO+/IMH) und Patient:innen mit Einblutung in den Herzmuskel (IMH+). "Wir stellten fest, dass in der Gruppe der Patient:innen mit Einblutung in den Herzmuskel nach durchschnittlich zwölf Monaten ein unerwünschtes kardiales Ereignis häufiger auftrat, als in den beiden anderen Untergruppen", berichtet Erstautor Ivan Lechner. Patient:innen mit Mikrovaskulären Gefäßverschlüssen und ohne intramyokardiale Einblutung hatten hingegen eine ähnliche Prognose wie Patient:innen ohne jegliche mikrovaskuläre Schädigung. 

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Journal of the American College of Cardiology" publiziert.

Lechner et al. (2024). Clinical outcomes associated with various microvascular injury patterns identified by CMR after STEMI. Journal of the American College of Cardiology, 83(21), 2052–2062. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2024.03.408