Hausärzt:in 06/2024

MedUni Wien: Fortschritte beim Verständnis des metastasierenden Melanoms

Ein Forschungsteam um Mario Mikula von der MedUni Wien hat gezeigt, dass humane Hautorganoide verwendet werden können, um das Wachstum des malignen Melanoms zu studieren. Die Untersuchungen ergaben, dass der Verlust des neuronalen Proteins NLGN4X im Melanom mit dem Voranschreiten der Erkrankung verbunden ist.

"Die Erzeugung menschlicher Haut, ausgehend von einer einzigen embryonalen Stammzelle, ist seit dem Jahr 2020 bekannt. Jetzt ist es uns gelungen dieses Modell auch für die Melanomforschung zu nutzen", so Mario Mikula vom Zentrum für Pathobiochemie und Genetik der Meduni Wien. "Die Organoidforschung hat es ermöglicht, den Krankheitsverlauf von Patient:innen im Labor besser nachzustellen. In Zukunft werden wir in dem vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Kooperationsprojekt 'TOPICO' zusätzlich auch Leber- und Darm-Organoide einsetzen, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu testen", erzählt Mikula.

Während NLGN4X in reifen Melanozyten stark exprimiert wird, haben die Untersuchungen gezeigt, dass eine reduzierte NLGN4X-Expression mit dem Fortschreiten des Melanoms in Patient:innenkohorten in Verbindung steht. Durch die Wiederherstellung der NLGN4X-Expression in Melanomlinien aus dem Spätstadium konnte ein verringertes Tumorwachstum nach Transplantation in menschliche Hautorganoide beobachtet werden. Mechanistisch betrachtet wurde in dem Forschungsprojekt gezeigt, dass die Unterdrückung von NLGN4X das Protein VBP1 herunterreguliert. Der Verlust von VBP1 führt zur Akkumulation von HIF1A, was für die Migrationseigenschaften des Melanoms von Bedeutung ist. 

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Verringerung von NLGN4X einen neuen Mechanismus für die HIF-Induktion darstellt. Die Erkenntnisse könnten die Prognose für betroffene Patient:innen verbessern und neue Wege in der Behandlung des metastasierenden Melanoms aufzeigen.

Die Studie wurde im Fachjournal "British Journal of Cancer" publiziert.

Schörghofer et al. (2024). Late stage melanoma is hallmarked by low NLGN4X expression leading to HIF1A accumulation. British Journal of Cancer. https://doi.org/10.1038/s41416-024-02758-9