Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Leitlinie zu Adipositas im Kindes- und Jugendalter aktualisiert

Die Leitlinie zur "Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter" wurde früher als geplant überarbeitet. Anlass dafür sind neue Erkenntnisse zur Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten, insbesondere hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Körpergewicht sowie auf kardiometabolische Risikofaktoren bei Kindern und Jugendlichen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) haben ihre Leitlinie zur Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter vorzeitig überarbeitet.

"Seit der letzten Leitlinienfassung im Jahr 2019 hat sich die Evidenz zur medikamentösen Behandlung der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen wesentlich weiterentwickelt", erläuterte Leitlinienkoordinator Martin Wabitsch vom Universitätsklinikum Ulm. Grundlage hierfür seien mehrere randomisierte kontrollierte Studien, die klinisch bedeutsame Effekte von GLP-1-Rezeptoragonisten auf das Körpergewicht sowie auf kardiometabolische Risikofaktoren gezeigt haben. Zudem liegen inzwischen entsprechende Zulassungen für die Anwendung im Jugendalter vor.

Die aktuelle Version der Leitlinie wird zunächst als Konsultationsfassung veröffentlicht und kann bis zum 15. Juni kommentiert werden.

Auf Basis der neuen Evidenz hat die Leitliniengruppe zwei zusätzliche Empfehlungen zur medikamentösen Therapie formuliert. So kann bei Adipositas eine medikamentöse Behandlung ab dem jeweils zugelassenen Mindestalter ergänzend zu einer leitliniengerechten Lebensstilintervention erwogen werden. Bei Kindern und Jugendlichen mit extremer Adipositas (über dem 99,5. Perzentil) und anhaltender Gewichtszunahme sollte eine solche Therapie unter klar definierten Voraussetzungen in spezialisierten Zentren in Betracht gezogen werden.

Während die medikamentöse Behandlung grundsätzlich eine individuell abzuwägende Option darstellt, rechtfertigt das deutlich erhöhte Risiko für Erkrankungen und deren Fortschreiten bei extremer Adipositas eine stärkere Empfehlung für ihren Einsatz. Betroffene Kinder und Jugendliche haben ein erheblich gesteigertes Risiko für Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie, Dyslipidämien und kardiovaskuläre Folgeerkrankungen, so Wabitsch. In diesen Fällen stellt die medikamentöse Therapie eine relevante Alternative zur bariatrischen Chirurgie dar.

Die reguläre vollständige Überarbeitung der Leitlinie ist weiterhin für Januar 2027 geplant.