Prasinezumab zeigte in früheren Untersuchungen Hinweise auf eine Verlangsamung der Progression motorischer Symptome (MDS‑UPDRS Teil III) bei Patient:innen mit Morbus Parkinson im Frühstadium, sowohl unter MAO‑B‑Inhibitoren als auch bei therapienaiven Betroffenen. Ziel der PADOVA-Studie war es jetzt, Wirksamkeit und Sicherheit des Antikörpers in einer breiteren Population mit bereits etablierter, stabiler symptomatischer Therapie zu evaluieren.
Die PADOVA-Studie war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase‑2b‑Überlegenheitsstudie mit parallelen Gruppen. Eingeschlossen wurden Patient:innen im Frühstadium (Alter 50–85 Jahre; 3 Monate bis 3 Jahre seit Diagnosestellung; Hoehn-und-Yahr-Stadium 1–2) unter stabiler symptomatischer Behandlung. Die Rekrutierung erfolgte an 110 Zentren in Europa sowie Nordamerika, darunter die MedUni Innsbruck, Graz und Klinik Ottakring in Wien.
Die Randomisierung erfolgte 1:1, stratifiziert nach Begleitmedikation (Levodopa vs. MAO‑B‑Hemmer), in Prasinezumab (1500 mg i.v.) oder Placebo alle 4 Wochen über mindestens 76 Wochen bzw. bis zum Erreichen einer vordefinierten Anzahl motorischer Progressionsereignisse. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zu einem bestätigten motorischen Progressionsereignis, definiert als ≥5‑Punkte‑Anstieg im MDS‑UPDRS Teil III im Off-Zustand (Time‑to‑Event-Ansatz).
Zwischen dem 5. Mai 2021 und dem 22. März 2023 wurden 787 Personen gescreent, 586 randomisiert (je 293 pro Gruppe; mittleres Alter 64,2 ± 7,3 Jahre; 37 % Frauen). Insgesamt 550 Patient:innen schlossen die doppelblinde Phase ab. Rund 75 % erhielten als Begleittherapie Levodopa, die übrigen MAO‑B‑Hemmer.
Der primäre Endpunkt wurde jedoch nicht erreicht. Es zeigte sich lediglich eine nicht signifikante Verzögerung der motorischen Progression unter Prasinezumab (Hazard Ratio 0,84). Die mediane Zeit bis zur Progression betrug 61,1 Wochen unter Prasinezumab gegenüber 49,7 Wochen unter Placebo.
In explorativen Analysen ergaben sich jedoch Hinweise auf eine klinische Aktivität, insbesondere in der Subgruppe der mit Levodopa behandelten Patient:innen. In dieser homogeneren Kohorte zeigte sich eine signifikante Verzögerung des Progressionsereignisses um etwa 16 Wochen (auf >64 Wochen), vermutlich begünstigt durch geringere Anpassungen der Begleittherapie.
Die Therapie erwies sich insgesamt als gut verträglich. Schwere unerwünschte Ereignisse traten in beiden Gruppen gleich häufig auf (jeweils 12 %). Drei Todesfälle wurden dokumentiert (1 unter Prasinezumab, 2 unter Placebo), ohne Zusammenhang zur Studienmedikation.
Obwohl der primäre Endpunkt nicht erreicht wurde, liefern vordefinierte explorative Analysen einen Hinweise auf einen potenziell krankheitsmodifizierenden Effekt von Prasinezumab. Der Antikörper gilt derzeit als eine der am weitesten entwickelten und vielversprechendsten Substanzen in diesem Bereich, wobei das tatsächliche Ausmaß des Effekts noch nicht abschließend beurteilbar ist.
Auf Basis dieser Ergebnisse wurde die Phase‑3‑Zulassungsstudie PARAISO initiiert (Studienstart: USA 2024, Europa 2025), um die Wirksamkeit weiter zu prüfen.