Hausärzt:in 02/2024

Inklusion: Lebenshilfe Österreich übt scharfe Kritik

Bei der letzten Inklusionsprüfung der UN hat Österreich bedenklich schlecht abgeschnitten. Aus gegebenem Anlass diskutierten Vertreter:innen der Lebenshilfe Österreich in einem Gespräch nun Möglichkeiten, die ein selbstbestimmtes Leben trotz Behinderung ermöglichen sollen.

Hanna Kamrat, Vorsitzende des Selbstvertretungs-Beirats und Vizepräsidentin der Lebenshilfe Österreich, stellte fest, dass das Recht auf Selbstbestimmung für viele nur in der Theorie besteht: „Obwohl Menschen mit intellektuellen Behinderungen ein Recht darauf haben, können sie oft nicht frei wählen. Sie dürfen nicht selbst entscheiden, ob sie allein, mit Partner:in oder Freund:in in einer Wohnung, WG oder betreuten Wohngruppe leben und wohnen möchten, in welche Schule sie gehen und welchen Beruf sie erlernen oder wo sie arbeiten möchten.“ Um die Lebensbedingungen zu verbessern, sei es dringend notwendig, "dass die Politik uns hört und die UN-Behindertenrechtskonvention, die bereits vor 15 Jahren in Österreich in Kraft getreten ist, endlich dementsprechend umsetzt“.

Anton Henckel-Donnersmarck, Präsident der Lebenshilfe Österreich, hat einen Bruder mit einer intellektuellen Behinderung und sieht vor allem das Berufsleben als offene Baustelle: „Beim Thema ‚inklusiver Arbeitsmarkt‘ braucht es die Einführung von ‚Lohn statt Taschengeld‘, damit auch Menschen mit Behinderungen die gleichen Rechte und Wahlmöglichkeiten haben wie alle anderen Menschen auch. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu zu schaffen sind langjährige Forderungen der Lebenshilfe an die Politik.“ Erste Erfolge seien schon erzielt worden, es gebe aber noch viel zu tun.

Philippe Narval ist seit Mitte November der neue Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich. Ihm liegt als Vater eines Sohnes mit einer Störung im Autismus-Spektrum das Thema Bildung besonders am Herzen: „Es kann und darf nicht sein, dass Kinder mit Behinderungen in Österreich noch immer keinen gleichberechtigten Zugang zu hochwertiger Bildung haben – obwohl Bildung ein Menschenrecht ist.“ Er schildert wie er „Bildungs-Diskriminierung“ aus unmittelbarer Nähe erlebt habe: „Mein Sohn wollte nach der Pflichtschule ins Gymnasium wechseln. Das wurde ihm verwehrt, weil er die Pflichtschule erfolgreich abgeschlossen hatte.“ Narval fordert tiefgreifende Veränderungen: „Es ist an der Zeit, dass die Politik, aber auch die Gesellschaft endlich umdenkt.“

Mehr Infos auf: https://www.lebenshilfe.at/