Mehr als 100.000 Menschen sind in Deutschland betroffen. "Bronchiektasen kommen häufiger vor als gedacht, sie werden jedoch zu selten erkannt. Viele Betroffene leben jahrelang mit Husten und Auswurf, ohne dass jemand der Ursache auf den Grund geht", erläutert Prim. Clin. Ass. Prof. DDr. Klaus Hackner, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems und Medienreferent der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.
"Bei Bronchiektasen sind einzelne Äste der Bronchien, also der Atemwege, dauerhaft krankhaft erweitert und können auch Aussackungen bilden. Diese Veränderungen stören die natürliche Selbstreinigungsfunktion der Lunge und bilden sich nicht mehr zurück. Es sammelt sich darin Schleim an, der nur schwer abgehustet werden kann, wodurch Krankheitserreger ideale Bedingungen vorfinden", so der Lungenspezialist. Durch den Schleimstau wird das Entstehen von Infektionen begünstigt, die Entzündungen auslösen, die wiederum die Bronchialwände weiter schädigen. "Besonders problematisch sind akute Krankheitsschübe, sogenannte Exazerbationen, bei denen Husten, Auswurf und Atemnot innerhalb kurzer Zeit deutlich zunehmen. Jeder dieser Schübe kann die Lunge weiter schädigen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen", erklärt Hackner.
Charakteristisch für Bronchiektasen ist ein über Wochen oder Monate anhaltender Husten, häufig verbunden mit regelmäßigem, oft reichlichem Auswurf. Dazu können Atemnot bei körperlicher Belastung, wiederkehrende Atemwegsinfekte sowie ausgeprägte Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Auch Blut findet sich gelegentlich im Auswurf. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um weitere Krankheitsschübe und Lungenschäden möglichst zu verhindern. Mittels Computertomografie der Lunge werden die krankhaften Erweiterungen der Bronchien sichtbar.
Wesentliches Ziel der Behandlung ist es, den Schleim aus den Atemwegen zu entfernen, Infektionen zu bekämpfen und weitere Lungenschäden möglichst zu verhindern – durch tägliche Reinigung der Atemwege mittels Atemphysiotherapie und speziellen Techniken, um den Schleim zu lösen und abzuhusten. Bei Bedarf kommt die Gabe von Antibiotika hinzu sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Asthma oder COPD. Eine aktuelle wichtige therapeutische Neuerung: Mit dem Wirkstoff Brensocatib gibt es nun erstmals ein Medikament, das gezielt an der Entzündung in den Bronchien ansetzt. Die Zahl akuter Krankheitsschübe konnte in einer großen internationalen Studie um rund ein Fünftel gesenkt werden. "Das ist ein wichtiger Fortschritt für Menschen, die trotz konsequenter Behandlung immer wieder Krankheitsschübe erleiden. Allerdings ist das Medikament nicht für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet. Die Entscheidung muss individuell getroffen werden", betont Hackner. Österreich zähle zu den ersten europäischen Ländern, in denen diese neue Therapie bereits abseits von Studien verordnet werden kann.