Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 46 Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zugelassen, die sowohl Patient:innen als auch Ärzt:innen oftmals neue, bislang nicht verfügbare Therapieoptionen eröffnen.
AGES-Medizinmarktaufsichtsleiter Waxenecker hebte einige Medikamente besonders hervor. Unter anderem die erste Gentherapie zur Behandlung der Epidermolysis bullosa, einer seltenen Erkrankung der sogenannten "Schmetterlingskinder", die seit 2025 zur Verfügung steht. Darüber hinaus markieren zwei neu entwickelte monoklonale Amyloid-Antikörper einen bedeutenden Fortschritt in der frühzeitigen Therapie der Alzheimer-Erkrankung. Ebenfalls relevant ist die Einführung einer innovativen Behandlungsoption für die fortgeschrittene metabolische Steatohepatitis (MASH), die das Risiko einer Progression hin zu Leberzirrhose oder hepatozellulärem Karzinom signifikant reduzieren kann.
Des weiteren dominieren unter den neu zugelassenen Wirkstoffen onkologische Therapien mit einem Anteil von 35 %, gefolgt von immunmodulierenden Substanzen (20 %) und Arzneimitteln für seltene Erkrankungen (15 %). Ergänzt wird dieses Spektrum durch Impfstoffe sowie innovative Behandlungsansätze in Bereichen wie Stoffwechselerkrankungen, Dermatologie sowie Gastroenterologie und Hepatologie.
Diese Entwicklungen unterstreichen den hohen Stellenwert innovativer Arzneimittel, die nicht nur individuelle Therapieergebnisse verbessern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit und zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit leisten. Gleichzeitig wird betont, wie wichtig es ist, die Rahmenbedingungen für medizinisch-pharmazeutische Forschung weiterhin attraktiv zu gestalten.
Demgegenüber steht jedoch ein besorgniserregender Rückgang klinischer Studien in Europa. Der Anteil der EU an den weltweit durchgeführten Studien hat sich zwischen 2013 und 2023 von 18 auf 9 % halbiert. Schätzungsweise 60.000 Patient:innen blieb dadurch der Zugang zu klinischen Studien und damit zu potenziell innovativen Therapieansätzen verwehrt. Auch in Österreich war zwischen 2021 und 2024 ein deutlicher Rückgang um 28 % zu verzeichnen, wenngleich sich zuletzt eine leichte Stabilisierung auf niedrigem Niveau abzeichnet.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Bedeutung klinischer Forschung zunehmend an Relevanz. Sie ermöglicht Patient:innen einen frühen Zugang zu neuen Therapien, insbesondere dann, wenn etablierte Optionen ausgeschöpft sind oder nicht zur Verfügung stehen, und stärkt zugleich den medizinischen Standort sowie die klinische Expertise. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es daher entscheidend, die Attraktivität Österreichs für klinische Studien weiter zu steigern und im globalen Vergleich mit führenden Forschungsnationen wie den USA oder China Schritt zu halten.