Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Diagnostik, Watchful Waiting und Therapieoptionen bei Desmoid-Tumoren

Eine Kugel/Zelle mit Quaddeln, die in einem Krater sitzt.
"Zuerst beobachten, nicht operieren".
© nick / stock.adobe.com
Gutartig, aber nicht immer harmlos: Desmoid-Tumoren sind selten, stellen Allgemeinmediziner:innen aber immer wieder vor schwierige Entscheidungen. Häufig gilt mittlerweile zunächst Watchful Waiting statt eines chirurgischen Eingriffs. Rasches Handeln ist in dieser Hinsicht also nicht durchwegs die beste Strategie. Worauf bei Diagnostik, Zuweisung und Verlauf besonders geachtet werden soll, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas Brodowicz im Gespräch.
Medizinische Expertise
Thomas Brodowicz

Univ.-Prof. Dr. Thomas Brodowicz (Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie in Wien)

HAUSÄRZT:IN: Was ist das Entscheidende, das Hausärzt:innen über Desmoid-Tumoren wissen sollten – neben der Bezeichnung "gutartig"? 

Prof. BRODOWICZ: Die Häufigkeit von Desmoid-Tumoren – oder Fibromatosen – liegt bei einem Fall pro eine Million jährlich. Man unterscheidet zwei Untergruppen: die sporadischen Desmoid-Tumoren, die den Großteil der Fälle ausmachen, und die FAP-assoziierten Desmoid-Tumoren. Letztere treten im Rahmen der familiären adenomatösen Polypose (FAP) auf, einer Erbkrankheit, bei der Patient:innen viele Polypen im Darm entwickeln und ein hohes Risiko haben, Kolorektalkarzinome zu entwickeln. Zudem weisen FAP-Patient:innen ein deutlich erhöhtes Risiko auf, Desmoid-Tumoren auszubilden.

Solche können überall im Körper vorkommen, am häufigsten jedoch in der Bauchdecke, an den Extremitäten oder intraabdominell im Mesenterium. Sie metastasieren nie, können sich allerdings lokal sehr aggressiv ausbreiten, oftmals fingerförmig. Die Spontanremissionsrate von Desmoid-Tumoren liegt bei etwa 20 %. Daher ist es sehr wichtig, zunächst abzuwarten und das biologische Verhalten des Desmoids zu beobachten, bevor aktiv eingegriffen wird.