HAUSÄRZT:IN: Was ist das Entscheidende, das Hausärzt:innen über Desmoid-Tumoren wissen sollten – neben der Bezeichnung "gutartig"?
Prof. BRODOWICZ: Die Häufigkeit von Desmoid-Tumoren – oder Fibromatosen – liegt bei einem Fall pro eine Million jährlich. Man unterscheidet zwei Untergruppen: die sporadischen Desmoid-Tumoren, die den Großteil der Fälle ausmachen, und die FAP-assoziierten Desmoid-Tumoren. Letztere treten im Rahmen der familiären adenomatösen Polypose (FAP) auf, einer Erbkrankheit, bei der Patient:innen viele Polypen im Darm entwickeln und ein hohes Risiko haben, Kolorektalkarzinome zu entwickeln. Zudem weisen FAP-Patient:innen ein deutlich erhöhtes Risiko auf, Desmoid-Tumoren auszubilden.
Solche können überall im Körper vorkommen, am häufigsten jedoch in der Bauchdecke, an den Extremitäten oder intraabdominell im Mesenterium. Sie metastasieren nie, können sich allerdings lokal sehr aggressiv ausbreiten, oftmals fingerförmig. Die Spontanremissionsrate von Desmoid-Tumoren liegt bei etwa 20 %. Daher ist es sehr wichtig, zunächst abzuwarten und das biologische Verhalten des Desmoids zu beobachten, bevor aktiv eingegriffen wird.