Selbst in den Industrieländern hat sich die Rate in den letzten Jahrzehnten nicht verändert. Komplizierend ist das mikrobielle Biofilmbildungspotential, insbesondere auf implantiertem Fremdmaterial. Als behandlungsproblematisch hat sich neben der Klappendestruktion mit konsekutiver akuter Herzinsuffizienz auch das Vorhandensein septisch-zerebraler und viszeraler Embolien herausgestellt.
1955 veröffentlichte die American Heart Association (AHA) – als erste Fachgesellschaft weltweit – eine Empfehlung für die Antibiotikaprophylaxe der infektiösen Endokarditis (EP). Zwischen 1960 und 2007 wurden bestehende Maximalempfehlungen (von bis zu 21 verschiedenen Substanzen, über bis zu fünf Tage parenteral verabreicht) schrittweise deeskaliert. Zwischen 2007 und 2016 setzte die britische Regierung entsprechend der "National Institute for Health and Clinical Excellence"-(NICE)-Empfehlung die EP vor zahnärztlichen Prozeduren völlig aus, was zu einem signifikanten IE-Inzidenzanstieg führte.
Die Endokarditisleitlinie der European Society of Cardiology (ESC) von 2015 wurde 2023 aktualisiert und erweitert. Darin enthaltene Evidenzlevel und Empfehlungsgrade sind in Klammern in den Text eingefügt. Inhaltlich ebenfalls einbezogen wurde die rezente Empfehlung der Arbeitsgruppe Endokarditis der deutschen Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektiologie (PEG) für die S2k-Leitlinie zur kalkulierten parenteralen Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2024 (siehe Quellen)