Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025
DFP Literatur

DFP-Praxiswissen: Insomnie verstehen

Frau die mit angezogenen Beinen auf einem Bett sitzt
Teil 1: Ursachen, Diagnose sowie neue Wege in der medikamentösen Behandlung.
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Dieser Fortbildungsartikel beschäftigt sich mit den aktuellen Richtlinien zur Behandlung der Insomnie. Teil 1 erläutert die Diagnosekriterien, das methodische Vorgehen bei der Diagnosestellung und die möglichen Ursachen der Entstehung von Schlaflosigkeit. In der Folge werden die medikamentösen Behandlungsoptionen entsprechend den aktuellen S3-Leitlinien zur Behandlung der Insomnie dargestellt und diskutiert.
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Inhaltsverzeichnis
Autor:innen
Gerhard Klösch

Gerhard Klösch, MPH (Pressereferent der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM-ASRA))

Michael Saletu

Priv.-Doz. Dr. Michael Saletu (FA für Neurologie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin (ÖGSM/ASRA))

www.dr-saletu.at

Seit der letzten Revision der Internationalen Klassifikation von Schlafstörungen (ICSD-3) im Frühjahr 2014 haben sich einige, wenngleich nicht gravierende, Veränderungen ergeben, insbesondere bei der Therapie der Insomnie. Die damals vorgenommenen Vereinfachungen in der Diagnostik der Insomnie – seither wird nur mehr zwischen chronischer Insomnie und Kurzzeit-Insomnie unterschieden – haben sich bewährt. Zur Erinnerung: Unter chronischer Insomnie werden die psychophysiologische Insomnie, die idiopathische Insomnie, die Schlafwahrnehmungsstörung (oder paradoxe Insomnie), eine inadäquate Schlafhygiene und die verhaltensabhängige Insomnie im Kindesalter subsumiert.

"Kurzzeit-Insomnie" hat als Sammelbegriff die Bezeichnung "anpassungsbedingte Insomnie" abgelöst. Der inhaltliche Unterschied zur chronischen Insomnie liegt lediglich darin, dass die Beschwerden kürzer als drei Monate bestehen und/oder seltener als dreimal pro Woche auftreten.

Als diagnostische Kriterien gelten persistierende Ein- und Durchschlafstörungen sowie vorzeitiges Erwachen am Morgen, die allesamt mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten vorkommen müssen. Um eine chronische Insomnie handelt es sich ebenfalls, wenn die Beschwerden zwar kürzer als drei Monate, aber persistierend über mehrere Jahre auftreten. Eine Ein- und Durchschlafstörung liegt dann vor, wenn das Einschlafen länger als 30 Minuten dauert bzw. die nächtlichen Wachzeiten ebenfalls 30 Minuten überschreiten. Analog dazu ist ein vorzeitiges Erwachen am Morgen dann gegeben, wenn 30 Minuten vor dem gewünschten Aufstehzeitpunkt sich kein Schlaf mehr einstellt. Bei Kindern und Jugendlichen gelten 20 statt 30 Minuten.

Die Veränderungen seit 2014 betreffen in erster Linie Anpassungen bei der ICSD-3 und den Insomnie-Diagnosekriterien im DSM-5 sowie bei der neuesten Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-11. In der ICD-11 wurde die Unterscheidung zwischen einer "organischen" und einer "nichtorganischen Insomnie" aufgrund mangelnder Evidenz aufgegeben, und es wird nur noch die Diagnose "chronische Insomnie" gestellt.

Deutlich verändert haben sich jedoch die Empfehlungen für das Vorgehen bei der medizinischen Anamnese. So wird die Verwendung von Schlaftagebüchern ausdrücklich empfohlen, eine apparative Untersuchung mit Hilfe von Aktigrafen, Wearables oder eine Routineuntersuchung mittels Polysomnografie im Schlaflabor wurde als nicht zielführend eingestuft.

Die gravierendsten Neuerungen betreffen jedoch die Behandlungsoptionen. Anstelle einer medikamentösen Therapie gilt nun als First-Line-Option die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Diese stellt ein Bündel verschiedener Strategien dar: Das chronische Nicht-schlafen-Können soll mit Hilfe von kognitiver Umstrukturierung, Stimuluskontrolle, Entspannungsmethoden, Schlafedukation usw. behandelt werden. Eine Fülle von einschlägigen Studien zeigt, dass sich dank der KVT-I mittel- und langfristig sehr gute und anhaltende therapeutische Erfolge erzielen lassen, die signifikant größer sind als jene durch medikamentöse Ansätze allein, und das bei allen Formen der Insomnie (als primäres Leiden wie auch als Komorbidität).