Hausärzt:in 06/2024

Pleuramesotheliom: Personalisierte Behandlung der Tumorerkrankung dank Ki67

Eine internationale Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL Krems) und der Gazi Universität, Ankara, Türkei zeigt, dass das Zellkernprotein Ki67 ein aussagekräftiger Biomarker für die Tumoraggressivität sowie für den Erfolg einer chirurgischen Therapie beim sogenannten Pleuramesotheliom darstellt.

Beim Pleuramesotheliom handelt es sich um eine aggressive Krebserkrankung des Brustfells. Die Diagnose und Behandlung stellt weiterhin eine große Herausforderung dar und die Prognose für Betroffene ist noch immer nicht gut. Nun belegt eine Studie der KL Krems, dass der Umfang der Expression des Zellkernproteins Ki67 Aussagen über die Aggressivität des Tumors und über die Erfolgsaussichten bestimmter Behandlungsstrategien möglich macht. "Ki67 ist ein Protein des Zellkerns, das speziell bei Zellteilung exprimiert wird", erklärt Studienleiter Dr. Bahil Ghanim von der Klinischen Abteilung für Allgemein-und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikum Krems (einem Lehr- und Forschungsstandort der KL Krems). Vereinfacht dargestellt kommt in Gewebe mit vielen sich teilenden Zellen mehr Ki67 vor als in Gewebe mit weniger solchen Zellen. Tumorgewebe, in dem besonders viele Zellteilungen erfolgen, gilt als ausgesprochen aggressiv, weshalb Ki67 Auskunft über die biologische Aggressivität geben kann. "Als Messwert eignet sich die Expressionsrate der Ki67-Gene. Diese gibt den Anteil an Zellen eines Gewebes an, die sich aktuell teilen und daher Ki67 herstellen", so Ghanim. 

Dr. Sarah Hintermair, Co-Erstautorin der Studie berichtet: "Wir analysierten Tumorproben von 70 Betroffenen. Etwa die Hälfte davon wurde in Krems, die andere Hälfte in der Türkei, Gazi Universität behandelt. Nach Messung der Expressionsrate wurden die Betroffenen in zwei Gruppen unterteilt: jene mit einer Expressionsrate über und jene mit einer Expressionsrate unter 15 %. In der Folge verglichen wir das 5-Jahres-Überleben und das durchschnittliche Gesamtüberleben – und sahen Unterschiede mit klarer statistischer Signifikanz und hoher klinischer Bedeutung." Die Ergebnisse zeigten, dass die 5-Jahres-Überlebensrate bei Betroffenen mit geringer Ki67-Expression über 4-mal höher als bei jenen mit höherer Expression war. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Expressionsrate von Ki67 zur Prognose des weiteren Erkrankungsverlaufs genutzt werden kann.  

Als Nächstes untersuchte das Team um Dr. Ghanim, ob Ki67 auch Auskunft über den wahrscheinlichen Erfolg bestimmter Therapieformen geben könnte. Das Pleuramesotheliom wird derzeit auf verschiedenste Weise bekämpft, wobei multimodale Behandlungen durchaus üblich sind. "Deshalb haben wir unsere Daten zur Ki67-Expressionsrate nicht nur in Beziehung zu den Überlebenswerten gesetzt, sondern zusätzlich auch zu den Therapievarianten, die die jeweiligen Betroffenen erhielten", hält Erstautorin Dr. Stephanie Iser fest. Auch hier zeigt sich ein klares Ergebnis: Wurde die Krebserkrankung multimodal inklusive Chirurgie therapiert, war das durchschnittliche Gesamtüberleben mit 4 Jahren in der Gruppe mit geringer Ki67-Expressionsrate doppelt so lang als in der gleich behandelten Gruppe mit hoher Ki67-Expression. 

Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal "Cancers" veröffentlicht. 

Hintermair et al. (2024). KI67 tumor expression predicts treatment benefit achieved by macroscopic Radical Lung-Preserving Surgery in pleural Mesothelioma—A retrospective multicenter analysis. Cancers, 16(10), 1817. https://doi.org/10.3390/cancers16101817