Hausärzt:in 05/2024

Neue Herzklappen-Prothese ermöglicht breitere Anwendbarkeit

Erstmals wurde in Österreich am Universitätsklinikum AKH Wien und der MedUni Wien ein katheterbasierter Trikuspidalklappenersatz mit einer neu zugelassenen Herzklappe durchgeführt. Die neue Herzklappen-Prothese ermöglicht nun auch die Therapie von Patient:innen, die bisher nur medikamentös behandelt werden konnten.

Die Trikuspidalinsuffizienz wird meist medikamentös mit wassertreibenden Mitteln behandelt. Zusätzlich hat sich in den vergangenen Jahren das kathetergeführte Verfahren ("Edge-to Edge Repair") als Therapie etabliert, bei dem zwei Herzklappensegel mit einem Implantat verbunden werden. Dieses Verfahren ist jedoch stark von der Anatomie der Patient:innen abhängig und für eine breite Gruppe nicht anwendbar. Seit einigen Jahren wird an der Entwicklung eines katheterbasierten Trikuspidalklappen-Ersatzes geforscht, um eine breitere Anwendbarkeit zu erzielen. Diese neue Technologie wurde nun erstmals in Österreich am Universitätsklinikum AKH Wien und der MedUni Wien außerhalb einer klinischen Studie erfolgreich eingesetzt.

Schon Ende 2023 führte das Team rund um Philipp Bartko an der Klinischen Abteilung für Kardiologie von AKH Wien und MedUni Wien den ersten katheterbasierten Trikuspidalklappenersatz über die Leiste in Österreich durch. Nun wurde im Frühjahr 2024 erstmals eine neue Herzklappen-Prothese eingesetzt, die für eine breite Anwendung zugelassen ist und sich in der Größe und Implantationstechnik von bisherigen Prothesen unterscheidet. Dabei werden die Trikuspidalklappensegel durch mehrere Anker gegriffen und mit der neuen Klappe als funktionelle Einheit verbunden. Das Verfahren wird in Vollnarkose am schlagenden Herzen über ein Blutgefäß in der Leiste durchgeführt. Die Undichtigkeit der Trikuspidalklappe kann durch die neue Methode minimalinvasiv und sehr individualisiert versorgt werden. "Dieses neue Verfahren ermöglicht bisher medikamentös insuffizient behandelten oder mittels Edge-to-Edge-Therapie nicht behandelbaren Patient:innen eine sehr effektive und innovative Therapiemöglichkeit", hält Philipp Bartko fest, der die Eingriffe gemeinsam mit Caglayan Demirel, Kardiologie und Spezialist für interventionelle Herzklappentherapie an der Universitätsklinik für Innere Medizin II, durchgeführt hat. "Durch die neuen Verfahren konnte eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erzielt und die Entwässerungsmedikation reduziert werden."

Der Eingriff wurde in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Expert:innen der Kardiologie, Herzchirurgie, Radiologie, Anästhesie, Pflege und Techniker:innen im Hybrid-OP des Universitätsklinikums AKH Wien durchgeführt. "Wir freuen uns, durch die neue Prothese das Portfolio der interventionellen Herzklappentherapien optimal zu ergänzen. So kann eine noch individualisiertere Patientenversorgung im Sinne der Präzisionsmedizin gewährleistet werden", so Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie von AKH Wien und MedUni Wien.