Hausärzt:in 06/2024

Koronare Bypässe versagen bei Frauen häufiger als bei Männern

Eine internationale Studie unter maßgeblicher Beteiligung der MedUni Wien zeigt, dass es bei Frauen nach einer koronaren Bypass-Operation häufiger zum Versagen des Bypasses kommt als bei Männern und dadurch ihr Herzinfarkt-Risiko erhöht ist.

Ein internationales Forschungsteam um Studienleiter Mario Gaudino, M.D., Ph.D. von der Weill Cornell Medicine, New York, und Erstautorin Assoc.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Sigrid Sandner von der Universitätsklinik für Herzchirurgie der MedUni Wien analysierten rund 45.372 Daten von 4.414 Patient:innen, darunter 777 Frauen, aus sieben klinischen Studien. Die Ergebnisse zeigen auf, dass Frauen im Vergleich zu Männern nach einer Herz-Bypass-Operation (CABG = Coronary Artery Bypass Grafting) schlechtere Langzeitergebnisse und häufiger Komplikationen aufweisen. In erster Linie gehört dazu eine höhere Rate an Bypass-Versagen, vor allem wenn zur Umgehung von Gefäßverschlüssen oder -verengungen Beinvenen verwendet werden. "Bei Armarterien werden bessere Ergebnisse erzielt, allerdings wird diese Methode bei Frauen seltener verwendet als bei Männern", erklärt Sandner. Zudem wurde bei Frauen eine größere Notwendigkeit für erneute Eingriffe zur Verbesserung der Herzmuskeldurchblutung sowie ein erhöhtes Herzinfarkt- und Sterberisiko festgestellt.

"Die Ursachen für den Geschlechterunterschied nach CABG sind nicht ausreichend geklärt, weil Frauen in entsprechenden Studien unterrepräsentiert sind", so Sandner. Die Ergebnisse deuten aber daraufhin, dass die Hintergründe dafür nicht ausschließlich auf das Transplantat-Versagen zurückzuführen sind, sondern durch eine Vielzahl von zusätzlichen Faktoren beeinflusst werden. Einer der Faktoren sei, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen nach wie vor später diagnostiziert werden und zum Zeitpunkt ihrer Bypass-OP häufig bereits weiter fortgeschritten sind als bei Männern. Weiters zeigen die Analysen der Patient:innendaten, dass arterielle Bypässe bei Frauen weniger häufig verwendet werden als bei Männern, dafür aber häufiger Venen-Bypässe, die eine schlechtere Offenheitsrate haben. Zudem werden Frauen nach Herz-Bypass-Operationen in der Nachsorge oftmals weniger umfassend betreut, was auch zu den schlechteren Langzeitergebnissen beiträgt.

"Unsere Erkenntnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Ansätze in der medizinischen Versorgung von Herz-Bypass-Patient:innen zu entwickeln. Insbesondere müssen wir Maßnahmen ergreifen, um bei Frauen die Offenheitsrate der Bypässe zu erhöhen", hebt Sandner hervor. Weitere Forschungen seien nötig, um die zugrundeliegenden Ursachen für die schlechteren Behandlungsergebnisse bei Frauen zu identifizieren und gezielte Maßnahmen ergreifen zu können.

Die Studie wurde im "Journal of the American College of Cardiology" publiziert. 

Sandner et al. (2024). Coronary artery bypass graft failure in women. Journal of the American College of Cardiology, 84(2), 182–191. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2024.04.046