Hausärzt:in 02/2024

Genetischer Basis von Immunreaktionen auf der Spur

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der MedUni Wien hat die DNA von T-Zellen untersucht und damit eine detaillierte Beschreibung des Immunsystems erstellt. Die Ergebnisse könnten helfen, neue Ansatzpunkte zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen oder Krebs zu finden.

Bisher wurde zur Erforschung der Funktionsweise von primären Immunzellen, die eine zentrale Rolle bei der Immunantwort und -regulierung spielen, die Gen-Editierungstechnologie CRISPR eingesetzt. Für die vorliegende Studie ging das Team noch einen Schritt weiter und nutzte eine neuere CRISPR-basierte Technologie: das so genannte Base Editing, das noch präziser Änderungen an bis zu Tausenden von DNA-Stellen in einzelnen Genen identifizieren und damit ein noch nuancierteres Bild mit hoher Auflösung zeichnen kann.

Die Forscher:innen konnten dadurch genaue und informative Karten von DNA-Sequenzen und Proteinabschnitten erstellen, die die menschlichen Immunreaktionen steuern. Die kartierten Stellen geben wiederum Aufschluss über Mutationen, die bei Patient:innen mit Immunstörungen auftreten. Der enorme genetische Datensatz könne, so die Einschätzung des Forschungsteams, künftig bei der Entwicklung von Immuntherapien u. a. gegen Krebs, Autoimmun- und Infektionserkrankungen helfen.

„Da die Studie mit primären T-Zellen durchgeführt wurde, die von menschlichen Blutspender:innen stammen, sind die Ergebnisse von großer klinischer Relevanz“, betont einer der Erstautor:innen, Ralf Schmidt vom Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien.

Die Studie wurde kürzlich im Top-Journal „Nature“ publiziert.

Base-editing mutagenesis maps alleles to tune human T cell functions