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Smiling depression: Lächeln trotz Traurigkeit

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Betroffene einer "smiling depression" schaffen es, ihre Krankheit vor ihren Mitmenschen zu verbergen. (WAYHOME studio / Shutterstock.com)

Als "smiling depression" werden seelische Verstimmungen bezeichnet, die der Betroffene nach außen hin hinter guter Laune verbirgt.

Depressionen und andere psychische Erkrankungen haben statistisch gesehen in den letzten Jahren stark zugenommen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Aus Sicht mancher Experten würden nicht zuletzt die hohen Anforderungen am Arbeitsmarkt viele Betroffene seelisch überfordern. Sicher ist allerdings, dass sich vor allem die Haltung gegenüber psychischer Probleme zuletzt geändert hat. Mit dem gesteigerten Verständnis geht naturgemäß auch eine höhere Anzahl an Diagnosen einher.

 

Wie heimtückisch die Krankheit sein kann, zeigt nicht zuletzt die sogenannte "smiling depression". Im englischen Sprachraum wird damit eine spezielle Form bezeichnet, bei der man seine Erkrankung erfolgreich hinter einer Fassade versteckt. Der Betroffene geht oft einem geregelten beruflichen Leben nach, ist in vielen Fällen in einer Partnerschaft und vermittelt in Gesprächen einen seelisch gesunden Eindruck. Im Alltag kann er seine Traurigkeit so gut überspielen, dass selbst enge Freunde nichts davon ahnen.

Vor allem abends traurig

In der Psychologie ist dieser Begriff noch nicht etabliert. Die Bezeichnung "atypische Depression" umfasst allerdings im Wesentlichen die selbe Symptomatik. Zwischen 15 und 40 % der depressiv erkrankten Menschen sind Schätzungen zufolge von dieser Form betroffen. Aufgrund ihres funktionalen Lebensstils realisieren viele lange das Ausmaß ihrer Probleme nicht. Umso wichtiger ist es, auf die häufigsten Symptome einer atypischen Depression zu achten:

 

  • Starke Traurigkeit tritt vor allem abends auf
  • Schweregefühl in den Armen und Beinen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Kritik
  • Positive Erlebnisse sorgen für einen kurzen Stimmungsaufschwung, der aber schnell wieder vergeht
  • Regelmäßiges Überessen
  • Verlangen nach mehr Schlaf als üblich

 

Besonders besorgniserregend ist die bei dieser Form vergleichsweise hohe Suizidgefahr. Anders als Betroffene einer "normalen" Depression, haben atypisch Depressive eher die Energie, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Schwierig gestaltet sich zudem die bei psychischen Krankheiten so entscheidende Rolle des Umfelds. Da die Erkrankung selbst für Nahestehende kaum zu erkennen ist, wird wesentlich seltener Hilfe angeboten.

Eigeninitiative wichtig

Anders als bei vielen physischen Erkrankungen ist die erfolgreiche Behandlung einer Depression sehr stark vom Betroffenen selbst abhängig. Wie schwierig die Situation auch sein mag, hoffnungslos ist sie nie. Ein erster wichtiger Schritt ist es, über die "smiling depression" Bescheid zu wissen und nicht das Gefühl abzulegen, sich für seine Traurigkeit schämen zu müssen.

 

Zum Erfolg kann eine Psychotherapie beitragen, oftmals in Kombination mit Antidepressiva. Auch im Alltag bieten sich dem Patienten Möglichkeiten zur Verbesserung der Symptomatik. Studien belegen etwa den extrem positiven Einfluss von Sport. Manche Sportarten wie Yoga erzielen besonders gute Ergebnisse, prinzipiell ist aber jede Art von regelmäßiger Bewegung förderlich für die psychische Gesundheit. Professionelle Meditation kann bei Einzelnen ebenfalls einen hilfreichen Ausgleich darstellen.

 

Besonders wesentlich dürfte außerdem eine Zielsetzung im Leben sein, ganz gleich wie diese aussieht. Ein spannungsfreier Zustand ohne Verantwortung und Herausforderungen ist tendenziell nicht erstrebenswert. Insbesondere Menschen, die zu depressiven Stimmungen neigen, brauchen das Gefühl, dass ihr Leben einen Sinn hat. Eine entsprechende Zielsetzung kann beruflicher Natur sein, aber auch Freiwilligenarbeit oder das Kümmern um einen pflegebedürftigen Mitmenschen sind Optionen.

Hier bekommen Sie Hilfe

Depressionen sind keine Schande, sondern eine Krankheit. Falls Sie selbst Hilfe brauchen, holen Sie sich diese. Einen Überblick über Anlaufstellen in Österreich bietet etwa das Bündnis gegen Depressionen. In akuten Fällen richten Sie sich an die Telefonseelsorge, kostenlos erreichbar unter 142.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


20.02.2019

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