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Lachender Patient bei der Gehirn-OP

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Aufwendige Gehirnoperationen könnten für den Patienten künftig angenehmer gestaltet werden. (VILevi / Shutterstock.com)

Ein neuer Ansatz in der Gehirnchirurgie setzt darauf, den wachen Patienten während des Eingriffs zum Lachen zu bringen.

Bei manchen Gehirnoperationen muss der Patient während des Eingriffs mehrere Tests absolvieren, um die Funktionsfähigkeit der verschiedenen Gehirnregionen zu garantieren. Eine vollständige Narkose ist hierbei naturgemäß keine Option. Für den Betroffenen ist eine sogenannte Wach-OP kein allzu angenehmes Erlebnis.

Gefahr der Panik

Typischerweise wenden die Ärzte eine Mischung aus Sedierung und Ablenkung an, um den Patienten möglichst gut durch den Eingriff zu begleiten. Geht dieser Plan nicht auf, kann es allerdings schnell kritisch werden. In seltenen Fällen geraten Betroffene in Panik und bewegen in der Folge ihren Kopf oder versuchen gar, mit den Händen an das offengelegte Gehirn zu gelangen.

Gezielte Stimulation statt guter Witz

Mit einer neuen Methode könnte diese Problematik künftig umgangen werden. So haben US-amerikanische Hirnchirurgen eine neue Methode getestet, indem sie eine Patientin während des Eingriffs zum Lachen brachten. Ein guter Witz reicht leider nicht immer aus, um bei einer Hirn-OP für Unterhaltung zu sorgen. Daher stimulierten die Ärzte gezielt bestimmte Bereiche des Gehirns, weshalb die Patientin automatisch lachte.

Gelöste Patientin

Ein ähnlicher Ansatz wurde von anderen Chirurgen bereits vor einigen Jahren verfolgt. Einige Experten bezweifelten damals aber die Sinnhaftigkeit dieser Idee. Das Lachen der Patienten sei demnach nur ein physikalischer Reflex gewesen, hätte aber keinerlei psychischen Implikationen. Dieser neue Fall, den die durchführenden Ärzte in einem Fachjournal genauer beschreiben, bekräftigt allerdings den ursprünglichen Gedanken. Denn die Patientin wirkte anschließend deutlich gelöster, kommunizierte offener und machte sogar ihrerseits Witze.

Zu aufwendige Methode?

Bislang ist die Methode noch so aufwendig, dass eine flächendeckende Anwendung unrealistisch erscheint. Im Prinzip ist eine Operation vor der Operation notwendig, um eine entsprechende Elektrode im Gehirn anzubringen. Selbst Kritiker sehen allerdings viel Potential in der grundsätzlichen Überlegung, sofern sie in Zukunft einfacher umgesetzt werden kann.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


05.02.2019