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Schnarchen

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Männer schnarchen häufiger als Frauen, schuld daran ist eine Erschlaffung der Muskulatur im Nasen- oder Rachenraum. (F8studio - Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters SCHLAFAPNOE

Jeder 3. Mann und jede 4. Frau schnarcht. Schnarchgeräusche entstehen durch Vibrationen von erschlaffendem Gewebe im Rachen, meist bei älteren Personen. Erschwerte Nasenatmung oder kurzes Unterkiefer begünstigen das Schnarchen.

Schnarchen wird auch durch abendlichen Alkoholkonsum, Schlaftabletten oder Übergewicht verstärkt. Während einfaches Schnarchen "nur" die Umgebung belästigt, stellen vermehrte Atemaussetzer durch Verengung oder Verschluss der Atemwege ein Risiko für die Gesundheit dar. Bei diesem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) steigt mit dem Schweregrad das Risiko für Verkehrsunfälle, Herzinfarkt und Schlaganfall auf das 3- bis 7-fache. Erste Anzeichen sind nicht erholsamer Schlaf, morgendliches Kopfweh, vermehrte Tagesmüdigkeit und Bluthochdruck. Kleinkinder schnarchen meist aufgrund vergrößerter Mandeln, die den Rachen beengen. Schnarchen bei kleinen Kindern kann Ess- und Gedeihstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite und Bettnässen zur Folge haben.

Häufigkeit von Schnarchen

Jeder 3. Österreicher, jede 4. Österreicherin schnarcht. Ab dem 50. Lebensjahr ist jeder 2. Mann und fast jede 3. Frau betroffen. Bei 4 bis 7 % der männlichen und 2 bis 4 % der weiblichen Erwachsenen liegt eine Schlafatemstörung vor, d.h. es treten wiederholte Atemstillstände oder -störungen von über 10 Sekunden zwischen den Schnarchperioden auf. Das kann von 5-mal pro Stunde bis zu 80-mal pro Stunde passieren. Dadurch klingt das Schnarchen unregelmäßig und zerhackt.

Ursachen und Symptome von Schnarchen

Wenn Schnarchen nicht mit Atemstörungen einher geht, wird es als einfaches, habituelles oder primäres Schnarchen (Rhonchopathie) bezeichnet. Typischerweise äußert es sich als kontinuierliches, regelmäßiges, meist sonores Schnarchgeräusch, oft als "Sägen" bezeichnet.

 

Abendlicher Alkoholkonsum, Einnahme von Schlaftabletten oder Übermüdung können bei jedem einmal Schnarchen hervorrufen. In diesem Fall beschränkt sich die Behandlung auf das Vermeiden bzw. Verändern der Ursachen. Wenn es regelmäßig auftritt und dem Bettpartner den Schlaf raubt, wird es als sozial störendes Schnarchen behandlungsbedürftig. Anfangs tritt es meist in Rückenlage auf. Dann reicht ein Lagewechsel. Später stört es auch in Seitenlage.

 

Bei zirka 90% der primären Schnarcher entstehen die störenden Geräusche durch Vibrationen des weichen Gaumens und Zäpfchens beim Ein- und Ausatmen. Sonst kann es sich auch durch Rückfallen der Zunge oder Zusammenfallen der Rachenseitenwände, der Gaumenmandeln oder des Kehldeckels isoliert entwickeln oder auch mit Gaumenschnarchen kombiniert sein.

 

Die häufigsten Gründe für Schnarchen sind:

  • Atemhindernisse

  • Veränderungen im Rachen

 

Atemhindernisse

Der HNO-Facharzt stellt häufig folgende Atemhindernisse fest: 

  • Verkrümmung der Nasenscheidewand: Sie wird am besten chirurgisch durch eine sogenannte Septumoperation begradigt.

  • Nasennebenhöhlen-Entzündung: Sie kann medikamentös oder auch operativ behandelt werden.

  • Polypen: Polypen sind gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut. Sie können medikamentös behandelt oder auch operativ entfernt werden. 

 

Veränderungen im Rachen

Der HNO-Arzt kann folgende, das Schnarchen begünstigende bzw. verursachende Veränderungen im Rachen feststellen:

  • ein erschlafftes Gaumensegel mit überschüssiger Schleimhaut beidseits neben dem Zäpfchen, dem sogenannten Webbing.

  • ein überlanges Gaumenzäpfchen, das oft noch am Tag geschwollen ist.

  • vergrößerte Mandeln (meist bei schnarchenden Kleinkindern)

  • bei Kleinkindern Adenoide (Polypen) im Nasenrachen

  • ein hoher Zungenstand durch eine vergrößerte Zunge

  • eine vergrößerte Zungengrundmandel

  • zu weicher, biegsamer, eventuell überhängender Kehldeckel ("floppy Epiglottis")

  • Kieferanomalien oder -fehlstellungen (z.B. Rückbiss, fliehendes Kinn durch zu kurzes Unterkiefer)

Schlafatemstörungen zwischen Schnarchphasen

Schlafatemstörungen können zwischen Schnarchphasen auftreten, sie betreffen häufiger Männer als Frauen, da Frauen durch ihren hormonellen Zyklus bis zur Menopause weitgehend geschützt sind. Die weiblichen Hormone wirken sich auf den Rachen stabilisierend aus. Im Wesentlichen unterscheidet man 3 Arten von Schlafatemstörungen (Apnoen):

  • das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS): es ist die häufigste Schlafatemstörung

  • das Upper Airway Resistance Syndrom (UARS): hier kommt es nicht zu Atemstillständen, aber zu vermehrter Atemarbeit und erhöhter Tagesmüdigkeit.

  • das zentrale Schlafapnoesyndrom (ZSA): diese Art wird durch Störung der Atemregulation im Gehirn hervorgerufen, es tritt bei Herzschwäche und neurologischen Erkrankungen auf.

Diagnose von Schnarchen

Die Abklärung, weiterführende Diagnose und Therapie bei Schnarchen und Schlafapnoe wird überwiegend durch Hals-, Nasen- und Ohren-Fachärzte und durch Lungen-Fachärzte (Pneumonologen) durchgeführt. Bei primärem Schnarchen ist eher der HNO-Facharzt, bei Verdacht auf OSAS eher der Lungenfacharzt aufzusuchen, wobei oft die Befunde und Therapien beider Fachrichtungen erforderlich sind.

 

HNO-Untersuchungen

Eine genaue HNO-Untersuchung ist erforderlich, einschließlich...

  • einer Endoskopie der oberen Atemwege zur Erhebung von Befunden

  • einer Abklärung und Behandlung eventueller Störungen der Nasenatmung

  • einer Computertomographie der Nasennebenhöhlen (bei Verdacht) zum Ausschluss chronischer Nasennebenhöhlenentzündungen

 

Wenn es für die weitere Therapie wichtig ist, kann dann eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege mit einem flexiblen Endoskop durch die Nase im medikamentös induzierten Schlaf - ähnlich einem Dämmerschlaf bei Magen- oder Darmspiegelungen - durchgeführt werden.

 

Untersuchungen beim Lungenfacharzt

Von Seite des Lungenfacharztes werden Lungenerkrankungen wie z.B. COPD ausgeschlossen und eine Lungenfunktionsprüfung vorgenommen.  

 

Bei Verdacht auf Schlafatmungsstörung wird entweder gleich an ein stationäres Schlaflabor zugewiesen oder es wird eine ambulante Messung mit einem "Schlafapnoe-Screening-Gerät" oder respiratorischer Polygraphie im Schlaf in häuslicher Umgebung gemacht.

 

Dazu gibt es einfache Screeninggeräte oder Polygraphiegeräte, die wie im Vollschlaflabor die Atmung und die Sauerstoffsättigung messen, ein EKG machen, ein Mikrophon zur Aufzeichnung der Schnarchgeräusche einsetzen und die Schlaflage messen. Optimal ist die Messung in 2 Nächten, da die Ausprägung nicht immer gleich ist und man sich auch an die Messgeräte und -sensoren gewöhnen muss.

 

Solche Geräte werden in Österreich von vielen Lungen- und auch von HNO-Fachärzten eingesetzt.

 

Schlaflabor

Oft kann damit schon eine eindeutige Aussage getroffen werden. Wenn nicht oder bei Notwendigkeit weiterführender Untersuchungen wird eine Polysomnographie in einem stationären Schlaflabor erforderlich. Dabei wird dann auch der Schlaf selbst durch EEG-Elektroden am Kopf, seitlich der Augen und Elekromyographie-Elektroden gemessen, sowie Beinelektroden zur Diagnostik von unwillkürlichen Beinbewegungen verwendet. Die Schlaflage und Bewegungen werden mit einer Infrarotkamera überwacht.

 

Dadurch können auch begleitende Schlafstörungen jeglicher Art differenziert und die Auswirkung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms auf den Schlaf selbst z.B. durch Arousals (Mikroweckreaktionen) und Störung der normalen Schlafarchitektur (z.B. Verminderung des Tiefschlafes) festgestellt werden.

Therapie von Schnarchen

Für leichte Fälle von einfachem Schnarchen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie

  • Nasenpflaster und Nasendilatatoren zur Erweiterung der Nasenflügel

  • Kinnbinde um das Herunterfallen des Kinns zu verhindern

  • Verhinderungswesten oder Alarmgeber, die vibrieren, wenn man am Rücken liegt

 

Die Schnarchspange bzw. der Schnarchring besteht aus einem kunststoffüberzogenen Draht, dessen u-förmiger Anteil durch den Mund hinter den weichen Gaumen geschoben wird und so die Schnarchvibrationen verhindert. Effektiver ist die Therapie mit "Schnarchschienen" oder Mandibular Advancement Devices (MAD). Das sind Zahnschienen, die den Unterkiefer vorverlagern und so den Raum hinter dem Zungengrund erweitern. All diese Mittel wirken nur, so lange sie im Einsatz sind, sie müssen also jede Nacht genommen werden.

 

Verbesserung der Nasenatmung

Die effektivste Therapie des primären Schnarchens liegt in der Verbesserung der Nasenatmung: Je nach Ursache mit Medikamenten oder operativ. Die alleinige Verbesserung der Nasenatmung bringt in zirka 40% der Fälle schon eine wesentliche Reduktion des Schnarchgeräusches, zumindest so, dass es sozial erträglich wird oder ganz verschwindet.

 

Bei inhalativen Allergien sollte eine ursächliche Therapie mit Allergenvermeidung, Immuntherapie und/oder medikamentöser Therapie erfolgen.

 

Operation

Wenn das nicht ausreicht, sind in zirka 80% der Fälle Operationen am weichen Gaumen und Zäpfchen erfolgreich. Diese Operationen können meist sogar in örtlicher Betäubung in der Ordination vorgenommen werden.

Therapie von Schnarchen bei Kleinkindern

Bei Kleinkindern liegt die Ursache des Schnarchens meist in vergrößerten Rachendachmandeln (fälschlicherweise oft als "Polypen" bezeichnet), verstopfter Nase bei häufigem Schnupfen sowie in übergroßen, hypertrophen Gaumenmandeln.

 

Die Therapie besteht in der Entfernung der Rachendachmandeln ("Polypen nehmen" = Adenotomie) und der Verkleinerung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) an Stelle der früher üblichen kompletten Entfernung (Tonsillektomie). Dadurch wird die Nachblutungsgefahr stark gesenkt und es verbleibt ein immunologisch wertvolles Restorgan.

Therapie des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms

Bei der obstruktiven Schlafapnoe stellt die effektivste Therapie die apparative Therapie mit einer leichten Überdruckbeatmung, der CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure) dar: Dazu wird beim Schlafen eine Nasen- oder Nasen-/Mund-Maske getragen, von der ein Schlauch zu einem kleinen Gerät am Nachkästchen geht, das einen leichten Luft-Überdruck erzeugt. Die richtige Einstellung wird im stationären Schlaflabor im Schlaf vorgenommen. Bei regelmäßiger Anwendung ist nachgewiesen, dass die Folgeerkrankungen des OSAS wie Bluthochdruck, Angina pectoris, Herzinfarkt- und Schlaganfall-Rate, auf das Niveau von einfachen Schnarchern zurückgehen.

 

Weitere Therapiemöglichkeiten sind:

  • die Unterkiefer-Protrusionsschienen oder Mandibular Advancement Devices (MAD): sie wirken auch in einem Teil der Patienten mit gering- bis mittelgradigem OSAS, besonders wenn es durch Zurückfallen der Zunge bedingt ist. Die Effektivität muss im Schlaflabor kontrolliert werden.

  • die Schnarchspange: ihre Wirkung bei OSAS ist geringer als bei den vorgenannten Methoden und wie erwähnt wird sie oft nicht vertragen.

  • Operationen: eine Alternative zu den apparativen Therapien stellen Operationen dar, deren Ziel es ist, den Kollaps der Atemwege zu verhindern. Sie wirken nur bei einem Teil der Betroffenen mit bestimmten Voraussetzungen. Der Vorteil ist, dass ihre Wirkung meist jahrelang, manchmal auch jahrzehntelang anhält.

 

Operationen bei Schlafapnoe

Bei manchen Patienten ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Liegt eine gekrümmte Nasenscheidewand vor, kann eine Operation die Atmung verbessern. Zudem besteht die Möglichkeit, den Rachenraum chirurgisch zu erweitern. Dies geschieht entweder durch die Entfernung der Gaumenmandeln oder anhand der Straffung des Gaumens in Kombination mit einer Kürzung des Zäpfchens. Seltene Fälle, in denen der Unterkiefer rückversetzt ist, bedürfen einer Vorverlagerung.

 

Schlafapnoe bei Kindern - Therapie

Bei Kindern mit OSAS sind es meist die vergrößerten Mandeln im Gaumen und Rachendach. Nach Ihrer Entfernung (Adenotomie) bzw. Verkleinerung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) verbessert sich das OSAS drastisch und kommt es meist zu einem Entwicklungsschub der Kinder.

 

Die medikamentöse Therapie spielt in der Behandlung des obstruktiven Schlafapnoesyndroms kaum eine Rolle, da sie lediglich die Symptome, nicht aber die Ursachen beseitigt (z.B. Antidepressiva, antriebsfördernde oder stimulierende Medikamente).

Was kann der Betroffene bei Schnarchen zusätzlich tun?

Eine gute Schlafhygiene ist Basis für den Erfolg jeder Behandlung. Günstig ist es, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten und vor dem Schlafengehen auf Alkohol oder Schlaftabletten zu verzichten. Sie verstärken Schnarchen und Schlafapnoe.

 

Beim obstruktiven Schlafapnoesyndrom, aber auch anderen Arten des Schnarchens ist Übergewicht als Risikofaktor von großer Bedeutung. Mit konsequenter Gewichtsreduktion kann oft eine wesentliche Verbesserung der Schlafatemstörung erreicht werden.

Fragen an den Arzt

  • Wie kann ich meinen Partner überreden, dass er sein Schnarchen behandeln lässt?

  • Wann brauche ich eine Therapie mit einer leichten Überdruckbeatmung (CPAP-Therapie)?

  • Wann sollte operiert werden?

  • Warum ist die Schlafapnoe gefährlich?

  • Wann sollte Schnarchen bei Kindern behandelt werden?

AUTOR


Dr. Robert Pavelka
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Elisabeth Mondl; Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


19.02.2015
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Robert Pavelka
Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohren-Krankheiten Kopf- und Halschirurgie, ästhetische Chirugie Ehemaliger Vorstand der HNO-Abteilung des Landesklinikum Wiener Neustadt
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