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Unterschiede zwischen Osteopathie und Physiotherapie

Osteopath oder Physiotherapeut untersucht einen Fuß
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Die osteopathische Diagnosestellung und Therapie erfolgt ausschließlich mit den Händen. (Microgen / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Themenschwerpunktes OSTEOPATHIE

Osteopathie und Physiotherapie haben bestimmte Überschneidungspunkte, sind aber dennoch grundverschieden.

Bei Beschwerden rund um den Bewegungsapparat kommt man oftmals nicht an einer Physiotherapie vorbei. Auf den ersten Blick beschäftigt sich die Osteopathie mit ähnlichen Problemstellungen. Doch bei genauerer Betrachtung gibt es zwischen den beiden Bereichen größere Unterschiede als gedacht.

Was ist Osteopathie/osteopathische Medizin?

Osteopathie ist eine eigenständige, patientenzentrierte medizinische Behandlungsmethode auf wissenschaftlicher Grundlage, deren Fokus auf der Gesundheitsvorsorge liegt. Osteopathen arbeiten nach den Prinzipien der Ganzheitlichkeit, der natürlichen Selbstheilungskräfte und der Wechselbeziehung zwischen Form und Funktion.

 

Das Symptom stellt für den Osteopathen den Anfang seiner Überlegungen dar. In dieser Reflexion findet er mit seinen ertastenden Händen zum ursächlich gestörten Gewebe, das sehr häufig nicht am Ort des Schmerzes liegt. Der gesamte Behandlungsablauf erfolgt durch einen manuellen Kontakt mit den verschiedenen Geweben des Körpers. Osteopathen behandeln Muskeln, Faszien, Gelenke, die Wirbelsäule, Organe und deren zugehörige Gefäße und Nerven sowie das gesamte Cranio-sakrale System (das sind Nerven, Gehirn, Hirnhäute, Schädelknochen und Steiß- und Kreuzbein).

 

Osteopathie wird meistens in Privatpraxen ausgeübt, jedoch auch in Kliniken und diversen ambulanten Gesundheitseinrichtungen. Osteopathen sollen mit Praktizierenden anderer Disziplinen zusammenarbeiten.

Was ist Physiotherapie?

Physiotherapie ist die Arbeit mit Bewegung. Sie umfasst Maßnahmen aus der Bewegungstherapie sowie begleitende Maßnahmen der physikalischen Therapie (Massage, Hydro- und Thermotherapie, Elektrotherapie). Die moderne Physiotherapie arbeitet ergebnisorientiert und nach wissenschaftlichen Grundlagen in einem dynamischen Prozess auf ein Therapieziel hin.

 

Dabei wird in der Behandlungsplanung auf Körperstruktur, Funktion, Aktivitäts- und Partizipations-Ebene Rücksicht genommen. Die Bewegungsfähigkeit und die körperliche Funktionalität werden an erste Stelle gesetzt. Linderung von Schmerz, Erhaltung und Verbesserung von Kraft, Ausdauer und Koordination stellen weitere Kernziele dar.

 

Der Physiotherapeut arbeitet eigenverantwortlich und auch interdisziplinär. Er kann seine Tätigkeit in der eigenen Praxis, in Krankenhäusern, Rehabilitationszentren, Pflegeheimen, Hospizen und vielen weiteren Gesundheitseinrichtungen stationär, ambulant oder als Hausbesuch durchführen.

Unterschiede

Geschichte

Die Unterschiede dieser beiden Disziplinen liegen zuallererst in deren Entstehungsgeschichten. Die Osteopathie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA von dem Arzt A. T. Still als komplett eigenständige Untersuchungs- und Behandlungsmethode entwickelt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sie außerdem einen festen Platz in der Gesundheitsvorsorge vieler Länder in Europa, Australien und Asien. Sie stellt derzeit die weltweit am dritthäufigsten praktizierte Komplementär-Medizin dar.

 

Die Wurzeln der Physiotherapie liegen in Schweden, wo eine Bewegungstherapie (Gymnastik nach Ling) als eine körperliche Therapie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts folgte eine Erweiterung mit Massage und therapeutischen Maßnahmen der Thermo-Hydro-Balneotherapie. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine moderne Physiotherapie, die mit den schulmedizinischen Richtungen (Orthopädie, Neurologie, Interne und Chirurgische Medizin, Unfallmedizin, Kinderheilkunde, Gynäkologie) und Nomenklaturen aus der Schulmedizin in engem Kontakt steht.

 

Indikationen

Die Osteopathie behandelt funktionell-chronische Beschwerdebilder den gesamten Körper betreffend. Kontraindikativ sind Notfälle und Fälle, bei denen der Körper strukturell irreversibel behindert ist.

 

Die Physiotherapie kann bei verschiedensten Diagnosen, unter anderem aus den Bereichen Orthopädie, Neurologie und Unfallmedizin, zum Einsatz kommen.

 

Behandlung und Behandlungsziel

Die osteopathische Behandlung ist streng prozessorientiert und patientenzentriert. Das Ziel ist es, Gesundungsprozesse einzuleiten und dem Körper dabei einen möglichst breiten Spielraum zu verschaffen.

 

Im Vordergrund der Physiotherapie stehen die aktive Bewegung und ein symptomorientiertes Vorgehen. Das bedeutet, dass die Bewegungsfähigkeit in genau diesem wie auch immer eingeschränkten Bereich behandelt wird. Das Behandlungsziel wird zwischen dem Therapeuten und dem Patienten individuell erarbeitet.

AUTOR


Melanie Lette
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


17.09.2021
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