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periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

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Anfangs treten Schmerzen beim Gehen auf, später auch in Ruhe. (schwede-photodesign / Fotolia)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters DURCHBLUTUNGSSTÖRUNGEN

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit verläuft oft lange ohne Symptome.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Durchblutungsstörung in den Beinen, sie entsteht durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in den Gefäßen. Beim Gehen löst der Sauerstoffmangel in den Arterien Schmerzen aus, die beim Stehenbleiben wieder verschwinden (Schaufensterkrankheit), bei kritischer Minderdurchblutung haben die Patienten Ruheschmerzen oder Wunden. Die Therapie besteht aus Medikamenten, sowie Wiederherstellung der Durchblutung (Gefäßdehnung oder Operation). Die Häufigkeit der Erkrankung steigt mit dem Lebensalter. Bei den über 65-Jährigen sind etwa 20 % davon betroffen.

Häufigkeit

In Österreich sind nach einer Schätzung rund 300.000 Menschen an pAVK erkrankt. Die Häufigkeit steigt mit dem Lebensalter: Etwa 5 % der 35- bis 45-Jährigen sind betroffen, bei den 55- bis 65-Jährigen sind es etwa 20 % und bei den über 75-Jährigen ungefähr 30 %. Der Großteil der Patienten ist asymptomatisch, d.h. die pAVK verursacht ihnen (noch) keine Beschwerden. Da die Gefäßveränderungen auch in anderen Gefäßen vorkommen, haben diese Patienten trotzdem ein hohes Risiko einer weiteren Gefäßerkrankung wie z.B. der Herzkranzgefäße oder der Halsschlagadern.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) treten bei einer oder mehreren Arterien, die Blut zu den Gliedmaßen leiten, Verengungen und Verschlüsse auf. Dadurch wird die normale Blutzirkulation und Sauerstoffversorgung der Gliedmaßen gestört. Meist sind Becken- und/oder Beinarterien von diesen Durchblutungsstörungen betroffen, relativ selten die Arterien der Arme.

 

  • Die Verengungen finden sich oft an der Aufzweigung der Aorta (Bauchschlagader) in die beiden Beckenarterien
  • in der Oberschenkelarterie oberhalb des Knies
  • in den Unterschenkelarterien

Ursachen

Die pAVK entsteht auf Basis arteriosklerotischer Gefäßerkrankung. Es bilden sich Fettablagerungen (Plaques) in den Wänden der Arterien, jener Gefäße, die das Blut vom Herzen zu den Beinen (und seltener Armen) transportieren. Das Gewebe, also Haut, Muskulatur und Knochen werden dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und in ihrer Funktion eingeschränkt.

Die Hauptursachen für die Arteriosklerose und damit für die pAVK sind:

Symptome

Die pAVK verläuft in Stadien. Das Tückische ist, dass sie lange Zeit keine Symptome verursacht. Bis Beschwerden spürbar sind, haben sich die Beingefäße (und oft andere Gefäße im Körper) schon deutlich krankhaft verändert.

 

Die Stadien der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sind:

 

  • Stadium 1: Es sind bereits Veränderungen an den Gefäßen vorhanden, aber noch keine Beschwerden spürbar.
  • Stadium 2: Typisch ist hier der Schmerz unter Belastung (beim Gehen). Betroffene müssen immer wieder schmerzbedingt eine Pause einlegen (Schaufensterkrankheit).
  • Stadium 3: Starke Schmerzen treten auch in Ruhe auf.
  • Stadium 4: Gewebe stirbt ab. Es kommt zu Wunden (Ulcus), schwarzen Zehen (Gangrän).

 

In der ersten Phase der Erkrankung haben die betroffenen Menschen keine Beschwerden.

 

In der zweiten Phase kommt es zu Beinschmerzen beim Gehen. Je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, können Schmerzen in der Wade, an der Hinterseite des Oberschenkels oder im Gesäß auftreten. Am häufigsten ist der Schmerz in der Wade. Der krampfartige Schmerz tritt früher auf, wenn das Gehtempo beschleunigt wird, beim Bergaufgehen, Stiegen steigen oder auch beim Tragen von Lasten. Betroffene berichten mitunter auch von Schwäche oder Schweregefühl.

 

Bleiben Betroffene stehen, verschwinden die Schmerzen nach einigen Minuten wieder, da die Durchblutung im Ruhezustand noch ausreicht, bei erneuter Belastung treten die gleichen Beschwerden wieder auf. Die Krankheit wird in dieser Phase auch umgangssprachlich als "Schaufensterkrankheit" bezeichnet, weil Betroffene wie bei einem Schaufensterbummel zwischen Gehen und Stehenbleiben abwechseln.

 

In der dritten Phase reicht die Durchblutung auch in Ruhe nicht mehr aus, die Betroffenen leiden nun unter Ruheschmerzen.

 

In der letzten, vierten Phase entsteht eine Wunde, genannt Ulcus, oder eine Gangrän ("schwarze Zehe"). Die dritte und vierte Phase bedeuten eine kritische Minderdurchblutung.

 

Weitere Symptome von Durchblutungsstörungen in den Beinen können sein:

 

  • Kühle bzw. kalte Beine und Füße sind Zeichen einer ausgeprägten, mitunter kritischen, Minderdurchblutung.
  • Blässe bzw. weiße Hautfarbe durch verringerte Durchblutung der Haut
  • bläuliche Verfärbung der Füße/Zehen
  • Probleme bei der Abheilung von Verletzungen

 

Früherkennung ist lebenswichtig!

 

Die pAVK ist eine Erkrankung der Beine, aber auch ein wichtiges Zeichen, dass die Gefäße im ganzen Körper arteriosklerotisch verändert sein können. Wer unter pAVK leidet, ist gefährdet, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden! Viele pAVK-Patienten haben Probleme mit dem Herzen oder schon einen Schlaganfall hinter sich, andere haben ein hohes Risiko, entsprechende Probleme erst zu bekommen.

Diagnose

Ein Gefäßspezialist kann oft schon aus dem Schildern der Beschwerden und durch gezieltes Nachfragen den Verdacht auf eine Minderdurchblutung erheben. Der Verdacht wird durch Tasten der Pulse bei deren Fehlen oder schwachen Ausprägung erhärtet. Danach wird eine ABI-Messung ("Ankle-Brachial-Index") durchgeführt. Dabei wird der Blutdruck am Knöchel durch den systolischen ("oberen") Blutdruck am Oberarm dividiert. Ist der Druck im Bein deutlich geringer, so weist das auf eine pAVK hin. Bei gesunden Menschen ist der Blutdruck an Oberarm und Knöchel etwa gleich.

 

Danach untersucht der Arzt die Gefäße mittels Ultraschall - mit der farbkopierten (Duplex) Sonographie - und kann damit bereits beurteilen, in welchen Gefäßen Verengungen oder Verschlüsse vorliegen und welche Therapie in Frage kommt. Manchmal ist zur genaueren Beurteilung eine Gefäßdarstellung mittels Magnetresonanz oder Computertomographie notwendig.

Therapie

Basis der Therapie ist die Behandlung der Risikofaktoren: der Verzicht auf Rauchen, Abnehmen, Behandlung von erhöhten Blutfetten, BluthochdruckDiabetes. Außerdem kann ein Gehtraining helfen, die schmerzfreie Strecke zu verlängern: Die Betroffenen gehen so lange, bis der Schmerz einsetzt, bleiben kurz stehen und beginnen trotz Schmerzen wieder mit der Bewegung.

 

Behandlung mit Medikamenten

 

Um das Fortschreiten der Arteriosklerose zu bremsen, verschreibt der Arzt ergänzend zur Behandlung der Risikofaktoren weitere Medikamente: Die wichtigsten in der Behandlung der pAVK sind sogenannte "blutverdünnende" Medikamente. In der Regel sind es Thrombozytenfunktionshemmer, das sind Medikamente, die die Verklumpung von Blutplättchen verringern und so das Risiko von Gefäßverschlüssen in den Beinen, wie auch das Herzinfarkt- und das Schlaganfallrisiko senken. Bei Vorliegen von anderen Erkrankungen (v.a. Vorhofflimmern) wird eine orale Antikoagulation (Vitamin-K-Antagonisten, Faktor V-, Faktor II-Antagonisten) verschrieben. In manchen Fällen, hauptsächlich bei der kritischen Minderdurchblutung, werden auch durchblutungsfördernde Infusionen mit Prostanoiden durchgeführt.

 

Interventionelle und operative Möglichkeiten

 

Sind Arterien durch atherosklerotische Ablagerungen verengt oder verschlossen, stehen mehrere Methoden zur Verfügung, damit das Blut wieder ungehindert fließen kann:

 

  • Bei einer Angioplastie wird der verengte Abschnitt der Arterie durch Aufdehnen mittels Ballondilatation erweitert. Dabei wird über einen dünnen Draht ein Ballonkatheter durch das Gefäß bis an die verengte Stelle vorgeschoben, dort wird der Ballon aufgepumpt. Dadurch werden die Ablagerungen zur Seite gedrückt, das Blut kann wieder ungehindert fließen. Der medizinische Fachausdruck ist perkutane transluminale Angioplastie, abgekürzt PTA.
  • Zusätzlich kann, wenn PTA alleine nicht ausreicht, ein Stent (ein Röhrchen, bestehend aus einem Gitternetz) eingesetzt werden, der das Gefäß in der Folge offen hält.
  • Chirurgische Möglichkeiten sind eine Thrombendarteriektomie ("Ausschälen der Verkalkung") und eine Bypass-Operation der Beinarterien. Bei der letzteren werden dem Patienten z.B. Teile einer eigenen Vene entnommen und im Bereich der verschlossenen Beinarterie zur Überbrückung eingesetzt.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wie bei den meisten Krankheiten kann gesunder Lebensstil viel bewirken. Dazu zählen etwa die Umstellung auf fett- und zuckerreduzierte Ernährung, die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, der Verzicht auf die Zigarette, die Kontrolle des Blutdrucks, die Einhaltung des Gehtrainings sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


11.12.2013
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Girardi Luka
Innere Medizin – Leiter der Gefäßambulanz, Gesundheitszentrum Wien-Mariahilf Gesundheitszentrum Wien-Mariahilf
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