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Faktencheck: Asthma-Therapie während der COVID-Krise

Asthma in der Coronavirus-Krise
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COVID-19 ist zum Alltag geworden. Doch was müssen Asthma-Patienten beachten? (kovop58 / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters ASTHMA

300 Millionen Menschen weltweit leiden unter einer Form von Asthma und gehören somit zur Risikogruppe von COVID-19, umgangssprachlich als Corona bekannt.

Die derzeitige Informationsflut zum Coronavirus kann oftmals nicht auf ihre Korrektheit überprüft werden und so gelangen auch Meldungen in den Umlauf, die nicht durch Studiendaten belegbar sind – aber die Betroffenen verwirren oder verängstigen. Wir haben uns die wichtigsten Fragen und Bedenken von Menschen mit Asthma in der derzeitigen Situation angesehen und geben hier Antworten.

1. Ich gehöre als Asthmapatient zur Risikogruppe – ist es deshalb auch wahrscheinlicher, dass ich mich mit dem Virus anstecke?

Nein, die Zuordnung zur Risikogruppe betrifft den Verlauf der Erkrankung – nicht die Ansteckung. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass ein Patient mit mild-moderatem Asthma und einer guten Lungenfunktion keine höhere Wahrscheinlichkeit auf einen schweren Verlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 hat als ein Mensch ohne Vorerkrankung.

2. Mein Asthma wird mit inhalativem Kortison therapiert – ich habe gelesen, dass sich das schlecht auf mein Immunsystem auswirkt und überlege deshalb, die Therapie abzusetzen. Was soll ich tun?

Laut den aktuellen weltweiten GINA (Global Initative For Asthma)-Guidelines sollte die Therapie mit ICS, also inhalativen Kortison auf keinen Fall abgesetzt werden. Auch die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) empfehlen in ihren Meldungen, dass eine Inhalationstherapie unbedingt fortgeführt werden soll. Durch die Unterbrechung der Therapie kann es zu einer Verschlechterung der Symptome kommen, was wiederum in Arztbesuchen oder sogar Krankenhausaufenthalten enden kann – und dort ist die Wahrscheinlichkeit höher, mit einer SARS-CoV-2-infizierten Person in Kontakt zu kommen und sich anzustecken. Mit der Weiterführung der Therapie hingegen lassen sich die Verminderung der Lungenfunktion und Asthma-Anfälle vermeiden – und somit hat man einen besseren Schutz vor einem schweren COVID-19-Verlauf.

3. Die Biologika-Therapie meines schweren Asthmas muss ich aufgrund der Pandemie bestimmt abbrechen oder kann erst gar nicht damit starten. Stimmt das?

Die Therapie mit sogenannten Biologika bei schwerem Asthma soll ebenso wie die ICS-Therapie weiter durchgeführt werden. Ohne die Biologika-Therapie müssten viele Patienten wieder auf orales Kortison umgestellt werden – mit eventuell negativen Auswirkungen auf die Immunabwehr. Ebenso kann das Beenden der Therapie die Asthma-Symptome verschlimmern und das sollte auf jeden Fall vermieden werden. Biologika für schweres Asthma schwächen das Immunsystem nicht. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Therapie mit Biologika das Risiko erhöht, an Covid-19 zu erkranken.

4. Woher weiß ich, ob "nur" mein allergisches Asthma zu Tage tritt oder ich COVID-19 habe?

Als Patient kann es verwirrend erscheinen, allergische Symptome von den COVID-19-Syptomen zu unterscheiden. Dabei kann man sich, sofern die Allergie schon mehrmals aufgetreten ist, an den bereits bekannten Symptomen orientieren: eine Pollenallergie z. B. äußert sich häufig durch verschwollene, juckende Augen oder auch eine laufende Nase. Das für COVID-19 hingegen typische trockene Husten oder auch Fieber treten bei der Pollenallergie nicht auf.

5. Durch meine Vorerkrankung Asthma ist doch ein schwerer Verlauf von COVID-19 vorbestimmt, oder?

Die aktuelle Datenlage gibt noch keinen Hinweis darauf, dass Asthmapatienten ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben. Generell lässt sich sagen: Je besser der allgemeine Gesundheitszustand, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit eines schweren oder gar tödlichen Verlaufs. Deshalb gilt es, Asthma-Anfälle und unnötige Arzt- bzw. Krankenhausbesuche zu vermeiden. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, die Asthma-Therapie, wie vom Arzt verordnet, fortzusetzen – so ist man am besten geschützt.

6. Eine Therapie mit oral verabreichtem Kortison sollte während der Pandemie nicht durchgeführt werden, oder?

Kortison, in Form von Tabletten oder Infusionen verabreicht, ist eine hochwirksame Medikation für eine Vielzahl entzündlicher Erkrankungen. Gleichzeitig steigt mit der Gabe von systemischem – also auf den ganzen Körper wirkenden – Kortison das Risiko für Nebenwirkungen. Außerdem kann es negative Effekte auf die Immunabwehr haben. Generell empfehlen die aktuellsten Behandlungsrichtlinien, wenn möglich, eine Biologikatherapie anstatt systemischem Kortison. In manchen Fällen ist eine Therapie mit systemischem Kortison unabdingbar und sollte auf gar keinen Fall selbstständig verändert oder abgesetzt werden. Orales Kortison darf nur unter ärztlicher Aufsicht und schrittweise reduziert werden. Dafür ist es wichtig, dass das Asthma gut kontrolliert ist und somit das Risiko von Asthma-Anfällen und damit verbundenen Komplikationen relativ gering gehalten wird. 

7. Was soll man also als Mensch mit Asthma während der COVID-Krise tun?

Es lassen sich zusammenfassend einige einfache Regeln definieren:

  • Unbedingt die verordnete Asthma-Therapie fortführen
  • Plan vom Arzt für den Notfall geben lassen
  • Reizungen durch Allergie vermeiden – Auslöser meiden
  • Mit dem Rauchen aufhören, um die Lunge zu schonen und die Lungenfunktion zu erhalten

Unter diesen Voraussetzungen sollte die schwierige Situation auch für Asthma-Patienten gut zu meistern sein.

AUTOR


Melanie Lette
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


19.05.2020
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